Creole
Weltmusik
Preisträger
2006
*****

INDIGO MASALA
Acoustic Asian World Fusion






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Presse







zeitzeichen 7/2008


Verschmitzt

Faszinierender Weltmusikmix


Die Kakerlake ist in Südasien allgegenwärtig. Niemand mag sie sonderlich, doch man muss sich wohl mit ihr arrangieren. „Sie war vor uns hier, und sie wird uns wahrscheinlich überleben“, sinniert der Tabla-Spieler und Sänger Ravi Srinivasan. Also höchste Zeit, die Kakerlake in einem eigenen Lied zu ehren. Mit dieser skurrilen Huldigung beginnt die Debüt-CD des Trios „Indigo Masala“. Elf Stücke später schließt sich der Kreis mit einem anderen Lobpreis, diesmal an den göttlichen Shiva gerichtet beziehungsweise dessen glückverheißende Personifizierung Shambho.

Von der Kakerlake zu Shambho scheint es ein weiter Weg zu sein. Nicht jedoch für „Indigo Masala“, die mit ihrem Album Big Gods & Little Animals Entfernungen schrumpfen lassen und Dinge zueinander fügen, von denen man nie gedacht hätte, dass sie so gute Nachbarn sein könnten. Musikalisch wird eine Form von gesundem Globalismus vorgeführt, den man sich in der Wirtschaft so sehr wünschen würde.

Im Zentrum befinden sich die Klänge Nordindiens. Yogendra Jens Eckerts flirrende Sitar und Ravi Srinivasans warm modulierende Tabla-Trommel lassen keinen Zweifel. Die Ragas sind allerdings nur der gemeinsame Bezugsrahmen, von dem aus sich die Gruppe in alle Richtungen öffnet. Afrikanische und arabische Elemente finden sich wieder, Jazz und populäre Musiken Europas mischen sich hinein.

Das Faszinierende und Famose an „Indigo Masala“ ist, dass die einzelnen Bestandteile zu einem neuen Ganzen zueinander finden, ohne dafür ihre Identität aufzugeben. Nicht selten hat man bei Weltmusik den Verdacht, dass ein Ausverkauf der beteiligten Kulturen stattfindet. Big Gods & Little Animals ist dagegen von einem hörbaren gegenseitigen Respekt geprägt, musikalisch und menschlich.

Schon die Besetzung trägt diese Haltung in sich. Yogendra Jens Eckert ist ein deutscher Sitarist, der seit zwei Jahrzehnten die indische Musik verinnerlicht. Susanne Xochitl Paul, in Kalifornien als Kind mexikanisch-deutscher Eltern geboren, hat mit Cello begonnen, später elektrische Gitarre in einer Punk-Band gespielt und dann ein klassisches Musikstudium absolviert. Und Ravi Srinivasan, in Singapur geboren, tourt in unterschiedlichsten Formationen durch die Welt, begleitet unter anderem traditionelle Kathak-Tänzerinnen oder führt klassische Hindu-Musik auf.

Das Bindeglied - live noch stärker zu spüren als auf der CD - ist der Humor. Technisch arbeitet das Trio auf höchstem Niveau, bleibt dabei jedoch verspielt und unbeschwert. Ein verschmitztes Lächeln zieht sich als roter Faden durch die Musik. Von der Kakerlake bis zu Shiva.

RALF NEITE