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zeitzeichen
7/2008
Verschmitzt
Faszinierender
Weltmusikmix
Die
Kakerlake ist in Südasien allgegenwärtig. Niemand mag
sie sonderlich, doch man muss sich wohl mit ihr arrangieren. „Sie
war vor uns hier, und sie wird uns wahrscheinlich überleben“,
sinniert der Tabla-Spieler und Sänger Ravi Srinivasan. Also
höchste Zeit, die Kakerlake in einem eigenen Lied zu ehren.
Mit dieser skurrilen Huldigung beginnt die Debüt-CD des Trios
„Indigo Masala“. Elf Stücke später schließt
sich der Kreis mit einem anderen Lobpreis, diesmal an den
göttlichen Shiva gerichtet beziehungsweise dessen
glückverheißende Personifizierung Shambho.
Von
der Kakerlake zu Shambho scheint es ein weiter Weg zu sein. Nicht
jedoch für „Indigo Masala“, die mit ihrem Album
Big Gods & Little Animals Entfernungen schrumpfen
lassen und Dinge zueinander fügen, von denen man nie gedacht
hätte, dass sie so gute Nachbarn sein könnten.
Musikalisch wird eine Form von gesundem Globalismus vorgeführt,
den man sich in der Wirtschaft so sehr wünschen würde.
Im
Zentrum befinden sich die Klänge Nordindiens. Yogendra Jens
Eckerts flirrende Sitar und Ravi Srinivasans warm modulierende
Tabla-Trommel lassen keinen Zweifel. Die Ragas sind allerdings nur
der gemeinsame Bezugsrahmen, von dem aus sich die Gruppe in alle
Richtungen öffnet. Afrikanische und arabische Elemente finden
sich wieder, Jazz und populäre Musiken Europas mischen sich
hinein.
Das Faszinierende und Famose an „Indigo
Masala“ ist, dass die einzelnen Bestandteile zu einem neuen
Ganzen zueinander finden, ohne dafür ihre Identität
aufzugeben. Nicht selten hat man bei Weltmusik den Verdacht, dass
ein Ausverkauf der beteiligten Kulturen stattfindet. Big Gods &
Little Animals ist dagegen von einem hörbaren
gegenseitigen Respekt geprägt, musikalisch und
menschlich.
Schon die Besetzung trägt diese Haltung in
sich. Yogendra Jens Eckert ist ein deutscher Sitarist, der seit
zwei Jahrzehnten die indische Musik verinnerlicht. Susanne Xochitl
Paul, in Kalifornien als Kind mexikanisch-deutscher Eltern
geboren, hat mit Cello begonnen, später elektrische Gitarre
in einer Punk-Band gespielt und dann ein klassisches Musikstudium
absolviert. Und Ravi Srinivasan, in Singapur geboren, tourt in
unterschiedlichsten Formationen durch die Welt, begleitet unter
anderem traditionelle Kathak-Tänzerinnen oder führt
klassische Hindu-Musik auf.
Das Bindeglied - live noch
stärker zu spüren als auf der CD - ist der Humor.
Technisch arbeitet das Trio auf höchstem Niveau, bleibt dabei
jedoch verspielt und unbeschwert. Ein verschmitztes Lächeln
zieht sich als roter Faden durch die Musik. Von der Kakerlake bis
zu Shiva.
RALF NEITE
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