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    An dieser Stelle möchten wir über Neuigkeiten aus der indischen Musik-Szene informieren. Alle Einträge sind mit dem Datum versehen, an dem sie hier aufgenommen worden sind. Für die Weitergabe interessanter Infos für diese Seite bin ich dankbar!



    August 2009
    Ehrungen für indische Künstler

    Auch 2009 sind wieder einige indische Musiker und Tänzer mit hohen Orden geehrt worden. Die Auszeichnungen unterstreichen den besonderen Stellenwert, den Musik und Tanz in Indien nach wie vor genießen. Den dritthöchsten indischen Staatsorden Padma Bhushan erhielten die Bharata-Natyam Tänzer V.P. und Shanta Dhananjayan, der Musikwissenschaftler R.C.Mehta und die Playbacksängerin Shamshad Begum.

    • V.P. (* 1939) und Shanta (* 1943) Dhananjayan, Schüler u.a. der legendären Bharata-Natyam Pionierin Rukmini Devi Arundale, trugen mit ihrem Charisma als tanzendes Paar seit den 1960er Jahren wesentlich dazu bei, Bharata-Natyam in breiten Kreisen populär zu machen. In den 80er Jahren waren die Dhananjayans im Rahmen einer Ringtournee der Deutsch-Indischen Gesellschaft auch in vielen deutschen Städten zu sehen. Ein Tanzvideo mit V.P. Dhananjayan gibt es auf www.youtube.com.
    • Shamshad Begum (* 1919) war von den 1940ern bis in die 1970er Jahre eine der bedeutendsten Playbacksängerinnen der indischen Filmindustrie. Während Playback-Star Lata Mangeshkar mit ihrer markant hohen Stimme etwa in der gleichen Zeit stilprägend wurde, zeichnete sich Shamshad Begums Gesang stets durch ein tieferes, wärmeres Timbre aus. Auf youtube.com sind zahlreiche historische Filmsongs mit ihrer Stimme zu finden.
    • R.C.Mehta (* 1918) studierte zunächst Gesang im Stil der Kirana Gharana, bevor er sich der wissenschaftlichen Untersuchung indischer Musik widmete. Er war langjähriger Leiter des Baroda Music College, Mitglied des Central Music Audition Board von All India Radio und gründete 1970 die Indian Musicological Society, in der er bis heute aktiv ist.
    • Der vierthöchste Staatsorden Padma Shri wurde verliehen an die karnatische Sängerin Aruna Sairam (Hörproben auf www.myspace.com/arunasairam), den Kathakali-Tänzer Kalamandalam Gopi und den Chenda-Trommler Mattanur Sankarankutty Marar. Mit Kiran Seth, dem Gründer der Kulturinitiative SPIC MACAY, wurde zudem ein bedeutender Vermittler und Förderer der klassischen Traditionen ausgezeichnet. Aber auch die inzwischen weltweit populäre Bollywoodkultur wurde gewürdigt: den Padma Shri erhielten auch die einstigen und gegenwärtigen Schauspielikonen Aishwarya Rai Bachchan, Akshay Kumar und Helen Jairag Richardson Khan sowie die Playbacksänger Kumar Sanu und Udit Narayan Jha.


    Juli 2009
    Abschied von Charlie Mariano
    Charlie Mariano ist tot. Der große amerikanische Jazz-Saxophonist und Weltmusik-Pionier starb am 16.6. im Alter von 85 Jahren in seiner Wahlheimat Köln an Krebs. Schon 1942 begann Charlie Mariano mit professionellen Showbands aufzutreten. In den 50er und 60er Jahren spielte er mit Jazz-Größen wie Stan Kenton, Shelly Mane, Dizzy Gillespie, Charles Mingus und McCoy Tyner und wurde mit seinem unverwechselbaren Ton berühmt – Charles Mingus bezeichnete ihn als "tears of sound". Charlie Mariano war aber stets auf der Suche nach neuen musikalischen Ufern, ein lebenslang Lernender, und so zog er in den späten 60ern nach Malaysia und nach Japan, bis er schließlich ab 1971 vorwiegend in Europa arbeitete und sich 1986 in Köln niederließ.

    Neben seiner Arbeit mit europäischen Jazzern wie Jasper van't Hof, Eberhard Weber oder Philipe Catherine, mit dem von ihm mitbegründeten United Jazz & Rock Ensemble und mit Pop-Größen wie Herbert Grönemeyer und Konstantin Wecker, war Charlie Mariano in seiner zweiten Lebenshälfte auch ein bedeutender Pionier der Weltmusik – lange bevor dieser Begriff populär wurde. 1973 studierte er in Südindien das traditionelle Doppelrohrblatt-Instrument Nageswaram und spielte später u.a. mit dem Karnataka College of Percussion, den Dissidenten, Rabih Abou-Khalil und Dino Saluzzi. So trug Charlie Mariano auch wesentlich dazu bei, indische Musik in Deutschland und Europa einem größeren Publikum bekannt zu machen.

    In den letzten Jahren trat er vor allem im Trio mit Ali Haurand und Daniel Humair und im Duo mit Dieter Ilg auf. Mit seiner inneren Ruhe, Güte, Bescheidenheit und Anteilnahme war er auf der Bühne wie im Leben eine charismatischer Erscheinung. Charlie Marianos Saxophon ist auf über 300 Schallplatten und CDs zu hören. Seine Musik bleibt der Welt auf diese Weise erhalten.

    www.charliemarianotribute.de – umfassende Material- und Infosammlung zu Charlie Marianos Leben und Werk


    Abschied von Ali Akbar Khan
    Liebe Freunde und Freundinnen indischer Musik,

    wie sich vielleicht schon herumgesprochen hat, ist am 18. Juni der große Sarodvirtuose Ali Akbar Khan im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in der Nähe von San Francisco gestorben. Khansahib, wie er von Freunden und Fans genannt wurde, hatte seit vier Jahren ein schweres Nierenleiden und war auf regelmäßige Dialyse angewiesen. Sein Zustand hatte sich in den letzten Monaten zusehends verschlechtert. In seinen letzten Tagen war Khansahib umgeben von seiner Familie und seinen engsten Schülern. Noch auf dem Sterbebett gab er ihnen am Abend vor seinem Tod singend Unterricht – Raga Durga war seine letzte Lektion.

    Mit Ali Akbar Khan verliert die Welt der Musik eine ihrer charismatischsten Persönlichkeiten. Nicht nur die indische Presse, sondern auch westliche Leitmedien wie die New York Times oder die Frankfurter Rundschau brachten ausführliche Nachrufe. Eine Würdigung des Lebens und Werkes von Ali Akbar Khan finden Sie auf unserer Diskussionsseite. Eine kurze biografische Skizze, einige Links, sowie persönliche Erinnerungen von Yogendra sind in einem Sonderrundbrief veröffentlicht.


    Juni 2009
    Axel Elbin wird sechzig
    Am 22.6. wird CD-Händler Axel Elbin sechzig Jahre alt. Durch seine beeindruckenden CD-Tische bei zahlreichen Konzerten vor allem in Westdeutschland, Frankreich und den Benelux-Ländern dürfte Axel Elbin vielen Freunden indischer Musik bekannt sein. Seit 1996 verkauft er – gemäß dem Firmennamen "Raga Maqam Dastgah" – CDs mit traditioneller Musik aus Indien und dem orientalischen Teil der islamischen Welt bei entsprechenden Konzerten und im Versand.

    Unermüdlich hat Axel Elbin im Laufe der Jahre recherchiert und Kontakte bis hin zu entlegensten Speziallabels aufgebaut, so dass er heute ein weltweit wohl einmalig umfangreiches Sortiment vor allem aus der indischen Musik anbieten kann. Junge Nachwuchskünstler sind bei ihm ebenso zu finden wie etablierte Meister oder historische Archivaufnahmen. Die regelmäßigen E-Mail-Rundbriefe mit seinen neuesten Einkäufen und Entdeckungen sind Pflichtlektüre für Sammler und Liebhaber außergewöhnlicher Klangerfahrung. Die Rundbriefe können unter info@Raga-Maqam-Dastgah.com angefordert werden. Seine nächsten CD-Tische plant Axel Elbin für das Festival "Les Orientales" in Frankreich – Infos dazu unter www.lesorientales.fr.

    Wir senden herzliche Glückwünsche und wünschen weiter alles Gute!


    April 2009
    4. Höchster Staatsorden für Bhimsen Joshi
    Am 10. Februar ist der Bharat Ratna, der höchste zivile indische Staatsorden, an den 87-jährigen Sänger Bhimsen Joshi verliehen worden. Wegen seines angegriffenem Gesundheitszustands fand die Verleihungszeremonie nicht wie üblich durch den indischen Staatspräsidenten in Neu Delhi statt, sondern in Bhimsen Joshis Haus in Pune. Zuvor war der Bharat Ratna sieben Jahre lang nicht vergeben worden. Letzte Empfänger waren 2001 die Sängerin Lata Mangeshkar und der 2006 verstorbene Shahnai-Virtuose Bismillah Khan. Zuvor hatten erst zwei andere Musiker den Bharat Ratna erhalten, nämlich die südindische Sängerin M.S.Subbulakshmi 1998 und Sitarist und Komponist Ravi Shankar 1999. Die Auszeichnung spiegelt das hohe Prestige wider, das die klassische Raga-Tradition in der indischen Öffentlichkeit genießt.

    Bhimsen Joshi wurde 1922 im südindischen Bundesstaat Karnataka geboren und ist der bedeutendste Vertreter des Kirana-Schule des klassischen nordindischen Khyal-Gesangsstils. Im Lauf seiner Karriere übernahm er aber auch Elemente anderer Gesangsschulen und schuf so ein einzigartiges persönliches Gesangsidiom, das er jahrzehntelang weltweit mit unvergleichlichem Charisma präsentierte. Berühmt ist Bhimsen Joshi auch für seine Interpretation populärer Bhajans. Seine Lehrzeit absolvierte Bhimsen Joshi, der nicht aus einer traditionellen Musikerfamilie stammt, von 1936 – 1940 bei Sawai Gandharva, Meisterschüler des legendären Abdul Karim Khan, Gründer der Kirana-Gharana. Sein erstes Konzert gab er mit 19 Jahren, und schon im Alter von 22 erschien seine erste Schallplatte mit Liedern auf Kannada und Hindi beim renommierten Label HMV. 1972 wurde Bhimsen Joshi der Padma Shree-Orden verliehen, 1976 der Sangeet Natak Academy Award, 1985 der Padma Bhushan und 1999 der Padma Vibhushan. Seine erste Platin-Schallplatte erhielt er 1986. Ein Millionenpublikum erreichte er in Indien 1988 mit dem von Fernsehen und Regierung propagierten nationalen Versöhnungslied Mile Sur Mera Tumhara, das bis heute den Status einer inoffiziellen Nationalhymne genießt. Nach einem Schlaganfall war Bhimsen Joshi in den letzten Jahren nur noch sehr selten öffentlich zu hören.

    Auch bei India Instruments finden Sie zahlreiche Aufnahmen von Bhimsen Joshi. Klassische Ragas gibt es unter www.india-instruments.de/pages/cdkatalog/saenger_bhimsenjoshi.html. Bhajans mit Bhimsen Joshi finden sich unter www.india-instruments.de/pages/cdkatalog/bhajan.html und www.india-instruments.de/pages/cdkatalog/bhaktimala.html


    September 2008
    Nachruf Rajeswari Padmanabhan
    Völlig überraschend ist am 15. August in Chennai (ehemals Madras) die Saraswati-Vina-Meisterin Rajeswari Padmanabhan einem Herzinfarkt erlegen. Die 1939 geborene Künstlerin war die Großnichte der karnatischen Musikerlegende Karaikudi Sambasiva Iyer (1888 – 1958) und spielte die Vina in 9. Generation. Unter anderem lernte sie bei dem bedeutenden Komponisten Mysore Vasudevacharya (1865 – 1961). Als Bühnenkünstlerin ebenso wie als Lehrerin wurde Rajeswari Padmanabhan hoch geschätzt für ihren zugleich ausdrucksstarken und verfeinerten Stil. In Mitteleuropa wurde sie zunächst durch eine 1975 in Berlin aufgenommene (und inzwischen als CD wiederveröffentlichte) Doppel-Schallplatte mit musikwissenschaftlichem Anspruch (Kommentare von Pia Srinivasan, herausgegeben von Arthur Simon) im Duett mit ihrem Bruder Karaikudi Sambasivayer Subramanian bekannt. Es folgten zahlreiche weitere Audio- und Video-Aufnahmen in Indien, Europa, Japan und den USA sowie Gastspiele in Europa, u.a. 2001 bei der "Langen Nacht der indischen Musik" in Berlin. Ihre Tochter Srividhya Chandramouli, seit den 80er Jahren in den USA ansässig, setzt die Karaikudi-Vina-Tradition in der nächsten Generation fort. Einen kleinen Eindruck von Rajeswari Padmanabhans Musik gibt es unter www.youtube.com/watch?v=IUe2ae5Xu2M.


    Juli 2008
    Unterrichtsvideos vom Ali Akbar College
    YouTube entwickelt sich mehr und mehr auch zu einem Forum für Videosequenzen mit indischer Musik. Meist werden dabei Ausschnitte aus Konzerten gezeigt. Inzwischen gibt es aber auch Kurzfilme, die Eindrücke von Unterricht in indischer Musik vermitteln. Besonders interessant ist es vielleicht, dabei mit dem inzwischen 86-jährigen Ali Akbar Khan eine der größten lebenden Legenden der indischen Musik erleben zu können. In mehreren je ca. 3-minütigen Filmsequenzen gibt es Einblick in seinen Fortgeschrittenen-Unterricht am Ali Akbar College of Music (AACM) in San Rafael, Kalifornien. Ali Akbar Khan unterrichtet dort bis heute fast das ganze Jahr über an mehreren Tagen pro Woche in offenen Klassen. Unabhängig von Instrument und Vorkenntnissen ist jeder jederzeit willkommen, für eine bescheidene Gebühr am Unterricht teilzunehmen. Gelehrt werden teils traditionelle Kompositionen, teils aber auch spontan von Ali Akbar Khan im Moment kreierte Musik. Die Grundform des Unterrichts besteht, wie in Indien üblich, aus Vorsingen des Meisters und Nachsingen oder Nachspielen der Schüler. Die Videos sind auf www.youtube.com mit Eingabe des Suchbegriffs "ali akbar college of music" zu finden.


    Mai 2008
    Sharan Rani (* 1929) verstorben
    Einen Tag vor ihrem 80. Geburtstag verstarb am 8.4. die schon seit längerem krebskranke Sarodvirtuosin Sharan Rani. Sie war die erste Frau, die als Sarodsolistin Karriere machte. Gegen den Widerstand ihrer Familie von bekannten Intellektuellen und erfolgreichen Geschäftsleuten aus Delhi, und allen Konventionen ihrer Zeit zum Trotz, wurde Sharan Rani als junges Mädchen Schülerin von Allauddin Khan, dem großen Sarod-Pionier und Musik-Reformator der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dem wir die heute allgemein übliche Konzertform instrumentaler Raga-Interpretation verdanken. Auch Ali Akbar Khan, der Sohn von Allauddin Khan, zählte zu ihren Lehrern. Schon früh erwarb sich Sharan Rani einen Ruf als herausragende Sarodspielerin, nahm mehrere Schallplatten auf und wurde auf Tourneen in die USA, nach Großbritannien, Frankreich und in die Sowjetunion auch international bekannt. Als erste weibliche Musikerin überhaupt erhielt sie 1968 den Staatsorden Padma Shri, dem später noch der Padma Bhushan und 1986 der Sangeet Natak Akademi Award sowie zahlreiche weitere Preise und Ehrungen folgten. Erwähnenswert ist auch Sharan Ranis private Sammlung von über 300 seltenen historischen indischen Musikinstrumenten, die sie schon lange vor ihrem Tod dem National Museum in Delhi stiftete und damit als bedeutende Forschungsquelle und nationales Kulturgut zugänglich machte.

    Sipra Bose (* 1945) verstorben
    Mit Sipra Bose hat Indien eine bedeutende Interpretin der semi-klassischen Gesangs-Genres verloren. Sie verstarb am 22.4. in Kalkutta an den Folgen eines Herzinfarkts. Ihr erster wichtiger Gesangslehrer im Teenager-Alter war im klassischen Khyal-Stil Chinmoy Lahiri aus der Lucknow-Gharana. Später verfeinerte sie ihr Raga-Verständnis bei Sitar-Altmeister Ravi Shankar. Bekannt wurde Sipra Bose aber vor allem mit den semi-klassischen Genres Thumri, Ghazal und Dadra , die sie bei Naina Devi und bei der legendären Begum Akhtar studierte. Die Magie ihres Gesangs lag in ihrer bezaubernd tiefen warmen Stimme, der lebhaft-eleganten, sprechenden Interpretation der Urdu-Texte und in ihrer feinsinnigen lyrischen Spontaneität. Die anspruchsvolle komplexe Subtilität der semi-klassischen Genres, die heute zwischen der großen klassischen Raga-Form einerseits und populären Formen (wie Bhajans oder den stark vereinfachten Pop-Ghazals) andererseits immer mehr in den Hintergrund tritt, hat damit einen weiteren Rückschlag erlitten.

    Shanti Sharma (* 1956) verstorben
    Ebenfalls am 22.4. starb in Delhi die Sängerin Shanti Sharma. Sie erlag ihren Verletzungen, nachdem sie vom Dach ihres zweistöckigen Hauses gestürzt war. Shanti Sharma stammte aus Tanjore in Tamil Nadu und lernte Gesang bei Sangameshwar Gudur, Pandit Amarnath und Mashkoor Ali Khan. Sie war gut 30 Jahre lang an der renommierten nationalen Musikakademie Bharatiya Kala Kendra in Delhi tätig gewesen, zunächst als Lehrerin, später auch als Komponistin der bekannten und beliebten Bühnen-Shows der Akademie, die jährlich vor hunderttausenden Zuschauern gespielt werden. Als Solistin war Shanti Sharma regelmäßig in Radio und Fernsehen und bei bedeutenden Festivals zu hören. Kritiker lobten die Ernsthaftigkeit und Reinheit ihres Stils, den sie in Geist und Inhalt mit dem des unvergessenen Amir Khan verglichen – kontemplativ und erhaben im langsamen Teil, mit systematischem Alap basierend auf den Permutationen des Merukhand, und mit geschmeidigen, glanzvollen Sargams und Tanas im schnellen Teil. Nach Aussagen ihres Ehemannes war Shanti Sharmas Todessturz kein Unfall, sondern Selbstmord. Vor gut fünf Jahren hatte sie ihre Tochter unter ähnlichen Umständen durch einen tragischen Unfall verloren. Danach litt Shanti Sharma angeblich unter Depressionen, die sie aber im Lauf der Zeit überwunden zu haben schien – auch, indem sie sich intensiv in ihre musikalische Arbeit stürzte. Noch am Tag vor ihrem Tod hatte sie ein Konzert gegeben, an der Komposition für die neue Kala Kendra Produktion gearbeitet und eine Studioproduktion vorbereitet.

    Kishan Maharaj (* 1923) verstorben
    Nach kurzer Krankheit ist am 4.5. in Khajuri (bei Varanasi) mit Kishan Maharaj einer der bedeutendsten und bekanntesten Tablameister des Benares-Stils gestorben. Am 29.4. hatte er einen Schlaganfall mit Halbseitenlähmung erlitten und war stationär behandelt worden. Kishan Maharaj stammte aus einer Musikerfamilie und lernte zunächst bei seinem Vater Hari Maharaj, und nach dessen plötzlichem Tod weiter bei seinem Onkel Kanthe Maharaj. Sein Konzertdebüt gab er bereits mit elf Jahren und wurde schon bald zum gefragten Begleiter für die Größen der 40er und 50er Jahre, wie z.B. Omkarnath Thakur, Faiyaz Khan oder Bade Ghulam Ali Khan. Dank seiner enormen Vielseitigkeit blieb er aber nicht auf Gesangsbegleitung beschränkt, sondern gab auch Tabla-Solo-Konzerte und spielte mit stilprägenden Instrumentalisten wie Ali Akbar Khan und Ravi Shankar, mit Dhrupad-Dhamar-Sängern oder mit führenden Kathak-Tänzern wie Birju Maharaj. Neben seiner jahrzehntelangen weltweiten Konzertkarriere war Kishan Maharaj aber auch als Lehrer sehr produktiv: zu seinen Schülern zählen so bekannte Tablavirtuosen wie Kumar Bose oder Sukhvinder Singh Namdhari. 1973 erhielt Kishan Maharaj den Padma Shri, 1984 den Sangeet Natak Akademi Award und 2002 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Padma Vibhushan, dem zweithöchsten indischen Staatsorden ausgezeichnet.
    Tabla-Solo-Aufnahmen von Kishan Maharaj
    Als Begleiter ist Kishan Maharaj hier zu hören:
    Mit Amjad Ali Khan
    Mit Vilyat Khan


    April 2008
    Konferenz Intercultural Performing Arts Amsterdam
    Unter dem Titel "India and the World: Intercultural Performing Arts" veranstaltet die Universität Amsterdam vom 20. – 22.11.2008 eine ambitionierte Konferenz, die die ganze Breite und Tiefe von Wechselbeziehungen zwischen Musik, Tanz und Theater in Indien und in anderen Kulturkreisen weltweit beleuchten soll. Eingebettet in ein groß angelegtes Festival indischer Kultur geht es dabei um indische Einflüsse auf andere Kulturen, um Einflüsse anderer Kulturen auf Indien und schließlich auch um neue Mischformen, die sich aus indischen und anderen Quellen speisen. Leiter der Konferenz sind die renommierten Musikwissenschaftler Joep Bor, Wim van der Meer und Rokus de Groot. Zur Zeit werden noch Fachbeiträge von Musikwissenschaftlern und Musiker-Wissenschaftlern gesucht. Nähere Informationen können angefordert werden unter: conference@musicology.nl

    Die Vilayat Option - Essay von Al Gromer Khan
    Lange Zeit hat die Diskussions-Seite im Netzwerk-Bereich unserer Website mit nur einem einzigen Beitrag von Cembalist und Sitarist Diez Eichler ein weitgehend unbeachtetes Dasein geführt. Nun bekommt sie neues Leben mit dem Essay "Die Vilayat Option" von Al Gromer Khan, geschrieben aus Anlass von Vilayat Khans viertem Todestag am 13.3. und hier erstmals veröffentlicht. Al Gromer Khan gibt darin eine sehr persönliche hymnische Würdigung von Vilayat Khans Kunst aus der Insider-Perspektive des selbst in diesem Stil konzertierenden Sitaristen und wagt zugleich einen überaus kritischen Blick auf das heutige Kulturleben, das in seinen Augen die Optionen, die Vilayat Khans Musik eröffnet hat, ungenutzt und ungeachtet liegen lässt - anregende Lektüre, die vielleicht auch die Formulierung von Gegenmeinungen herausfordern mag. Außer dem Beitrag von Al Gromer Khan sind auf der Diskussionsseite jetzt auch zwei ursprünglich an anderer Stelle erschienene Texte von Yogendra Jens Eckert zugänglich gemacht: Im einen geht es um Spiritualität in der indischen Musik, und im anderen um das Lernen indischer Musik im traditionellen Schüler-Lehrer-System. Wir freuen uns über rege Lektüre, Rückmeldungen und weitere Beiträge!

    Opern mit Indien-Touch
    Inspiriert vom Bollywood-Boom der letzten Jahre planen gleich zwei deutsche Theater im Mai Opern-Inszenierungen unter Verwendung indischer Elemente. In beiden Fällen geht es um Werke der Übergangszeit zwischen Barock und Klassik, als Opernaufführungen an fürstlichen Höfen noch ausufernd-opulente Unterhaltungsshows waren, in denen nahezu alles vorkam, was die Sinne beeindrucken konnte (was durchaus als Parallele zur Bollywood-Ästhetik gesehen werden kann). Am Staatstheater Darmstadt inszeniert der junge spanische Regisseur Alfonso Romero Mora mit der Commedia Musicale "Il geloso schernito" (Der Ehemann als Liebhaber, wahrscheinlich komponiert von G.B.Pergolesi um 1730) ein typisches Beispiel für die Form des szenischen Intermezzos, das als komödiantische Einlage in einer ernsten Oper für Abwechslung sorgen sollte. In seinem chaotischen Durcheinander von Rollentausch, Liebe und Eifersucht sollen indische Elemente für Schwung und Farbe sorgen. Aufführungen sind am 9. und 11.5. Nähere Infos www.staatstheater-darmstadt.de. Ambitionierter angesetzt ist die Oper "Alessandro" am Nationaltheater Mannheim, inszeniert von Regie-Altmeister Günter Krämer. Das fragmentarisch überlieferte Werk von G.F.de Majo, 1766 als Auftragswerk am Mannheimer Hof aufgeführt, spielt auf dem Indien-Feldzug Alexanders des Großen. Krämer entfaltet mit allen Mitteln großer Oper und modernen Regietheaters ein pointiertes Panorama europäischer Indien-Fantasien. Dazu wurden eigens Percussionist Ramesh Shotham und Sitarist Yogendra als Gastmusiker verpflichtet, um die Orchesterpartitur in eingefügten Spielszenen mit authentischen indischen Klängen zu kontrastieren. Premiere am 31.5., weitere Aufführungen im Juni / Juli 2008 und Januar / Februar 2009. Nähere Infos www.nationaltheater-mannheim.de


    Januar 2008
    Neue Geschäftsführung
    Zur Jahreswende gab es bei India Instruments einen Wechsel in der Geschäftsführung: Nach zehn Jahren Einzelbetrieb von Yogendra (1994 – 2004) und drei Jahren gemeinschaftlicher Leitung von Yogendra und Norbert Klippstein (2004 – 2007), hat Yogendra sich aus Kundenbetreuung und Alltagsgeschäften zurückgezogen, um sich mehr seiner künstlerischen Arbeit zu widmen - Norbert hat nun allein das Ruder übernommen. Vorbereitet wurde dieser Wechsel in den vergangenen Monaten schon durch den Umzug des gesamten Ladens von Braunschweig nach Berlin. Norbert Klippstein ist damit jetzt allein verantwortlicher Ansprechpartner für all Ihre Anliegen und Wünsche und wird India Instruments in der bewährten Weise mit großer Fachkompetenz, hohem Qualitätsstandard, umfassendem Sortiment, stabilen Preisen und unbürokratischem, schnellem Service weiterführen. Yogendra steht für Anfragen an India Instruments bis auf weiteres nicht mehr direkt zur Verfügung, bleibt aber mit Erfahrung, Know-How und Kontakten hinter den Kulissen weiter aktiv. Wir hoffen, dass Sie von diesem Wechsel kaum etwas spüren und uns auch weiterhin treu bleiben werden!


    November 2007
    Braunschweiger Büro wird geschlossen
    In den letzten Monaten haben wir in kleinen Etappen nahezu unser gesamtes Lager nach Berlin-Zehlendorf verlegt. Der Umzug ging reibungslos vonstatten und die Arbeit in den neuen Räumlichkeiten in der Fischerhüttenstraße läuft so gut, dass wir voraussichtlich zur Jahreswende den Standort Braunschweig ganz aufgeben können werden. Für Kunden, die hin und wieder in Braunschweig vorbeigekommen sind, ist das gewiss ein Verlust, aber der dauerhafte Unterhalt zweier Standorte übersteigt bisher leider noch unsere Möglichkeiten. In Berlin verfügen wir nicht nur über größere und schönere Räume, sondern auch über bessere Infrastruktur und Erweiterungsmöglichkeiten und über einen wesentlich größeren Kundenkreis in der Region. Für alle weiter weg lebenden Kunden gibt es selbstverständlich nach wie vor unseren schnellen und zuverlässigen Versandservice. Und alle, die persönlich ein Instrument aussuchen möchten, sind natürlich herzlich für einen Besuch in der Fischerhüttenstraße willkommen - bitte telefonisch unter 030-6211724 einen Termin mit Norbert Klippstein vereinbaren! Da Berlin auch noch viele weitere Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten zu bieten hat, wird eine Reise zu India Instruments jetzt vielleicht sogar attraktiver als zuvor in Braunschweig ...


    Juni 2007
    Creole-Bundeswettbewerb Bericht
    Vom 17. - 20.5. fand in Dortmund der Bundeswettbewerb um die Creole, den erstmals vergebenen Preis für Weltmusik aus Deutschland statt. 21 großartige Bands, alle bereits in den Creole-Landeswettbewerben erfolgreich, einige schon seit Jahren zusammen und teilweise bereits mit internationalen Preisen ausgezeichnet, spielten an drei Abenden vor ausverkauftem begeistertem Haus im Jazz-Club domicil. Mit am Start auch das indisch inspirierte Trio Indigo mit Sitarist Yogendra, Tablaspieler und Sänger Ravi Srinivasan und Cellistin Susanne Paul. Indigo glänzte mit einer konzentrierten, energiegeladenen Performance, die frischen Wind und eine eigene Note in den dritten Abend brachte, das Publikum zu Szenenapplaus mitriss und viel positives Feedback von Kollegen, Besuchern und Jurymitgliedern einbrachte. Für einen der drei Preise reichte es für Indigo zwar nicht, aber die Wettbewerbsteilnahme brachte trotzdem viel neue Inspiration und interessante Kontakte und sorgte für eine aufsehenerregende Präsenz indischer Elemente auf diesem einmaligen Forum für Weltmusik aus Deutschland. Die drei Preisträger der hochkarätig international besetzten Jury waren Ulman mit elektronisch aufgerüstetem Folk-Freestyle aus Ostdeutschland, Ahoar, ein deutsch-belgisch-irakisches Quartett mit sensiblem Mesopotamia Jazz, sowie Äl Jawala aus Freiburg mit balkanisch-orientalisch inspiriertem Brass'n Bass'n Beat – auch Gewinner des Publikumspreises. Am letzten Abend dann die große Preisverleihungs-Revue, umrahmt von einem Konzert der Dissidenten und unter Mitwirkung von knapp 30 Musikern der teilnehmenden Bands, darunter mit beeindruckenden Soli auch Cellistin Susanne Paul und Sitarist Yogendra von Indigo. Bilder und ein Bericht dazu hier: www.printz.net, bilder.printz.net Auf der Website der Deutschen Welle ist unter folgendem Link ein halbstündiges (englischsprachiges) Feature über den Wettbewerb zu hören, dabei auch viele Musikausschnitte: www.dw-world.de/dw/0,2142,4703,00.html - dort klicken auf Features A – H: A world of music Weitere Infos, sowie in Kürze auch eine Zusammenstellung von Presseberichten zur Creole hier: www.creole-weltmusik.de


    Mai 2007
    Sitarbauer Hiren Roy macht weiter
    Nachdem die Zukunft der renommierten Sitar-Marke Rikhi Ram aus Delhi nach dem Tod des langjährigen Leiters momentan noch in der Schwebe ist, kursieren im Netz jetzt auch Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Schließung von Hiren Roy & Sons, dem führenden Sitarbauer aus Kalkutta. Hintergrund ist der im Sommer geplante Abriss des Gebäudekomplexes an der Rashbehari Avenue, in dem die Firma zur Zeit noch ihren Sitz hat. Das Gebäude soll durch einen modernen Neubaukomplex ersetzt werden. Tatsächlich wird Barun Roy, Leiter von Hiren Roy & Sons, diesen Anlass nutzen, um den bisherigen Firmensitz aufzugeben. Die Luftverschmutzung, die Lärmbelastung und die räumliche Enge an der vielbefahrenen Rashbehari Avenue waren ohnehin für seine Arbeit und Gesundheit in den letzten Jahren zunehmend ungünstig geworden. Barun Roy wird in Zukunft in seinen Privaträumen arbeiten und sich dort auf kleinere Stückzahlen qualitativ hochwertigster Sitars für India Instruments und andere Stammkunden konzentrieren. Große Tanpuras sollen bis auf weiteres nicht mehr gebaut werden. Für Privat- und Neukunden dürfte es dadurch erheblich schwieriger werden, Hiren-Roy-Instrumente direkt zu beschaffen - insofern haben die Schließungsgerüchte einen kleinen wahren Kern. Die enge Zusammenarbeit mit India Instruments soll aber unverändert fortgesetzt werden, so dass wir auch weiterhin erlesene Instrumente von Hiren Roy anbieten können!

    Blog von Deepak Raja Deepak Raja, Sitarist, Musikkritiker und Autor des hoch interessanten Buches „Hindustani Music – A Tradition in Transition“ (mehr dazu hier: LINK) hat kürzlich einen Blog eingerichtet. Dort finden sich zahlreiche fundierte Beiträge zur nordindischen Raga-Musik im allgemeinen und zur Sitar im besonderen. Diskussionsbeiträge und Rückmeldungen sind Deepak Raja ausdrücklich willkommen: http://swaratala.blogspot.com


    April 2007
    Gisela Bonn-Preis für Herbert Lang
    Wie sich leider erst jetzt zu uns herumgesprochen hat, wurde im vergangenen September der Mridangam- und Kanjira-Spieler Herbert Lang mit dem Gisela Bonn-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vom Indian Council for Cultural Relations (ICCR) in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Indischen Gesellschaft (DIG) für besondere Leistungen auf dem Gebiet der deutsch-indischen Beziehungen vergeben. Herbert Lang begann, nach einem abgeschlossenen Musikstudium in Deutschland, 1980 in Chennai das Studium der klassischen südindischen Musik, wo er 1996 auch seinen offiziellen Abschluss machte. Seit 1996 tritt er in Europa und Indien als Begleiter mit renommierten südindischen Meistern auf und ist als Tourneeorganisator aktiv. Mit Herbert Lang wird erstmals ein deutschstämmiger Interpret klassischer indischer Musik geehrt. Damit setzen ICCR und DIG ein ermutigendes Zeichen für all jene Nicht-Inder, die sich in jahrelangem mühsamem Studium indische Musik bis zur Bühnenreife aneignen und widerlegen das immer noch verbreitete Vorurteil, nur echte Inder könnten indische Musik richtig spielen. Die Preisvergabe macht deutlich, dass klassische indische Musik, wie jede andere Kunstmusiktradition auch, ihrem Wesen nach transkulturell ist. Künstlerische Qualität lässt sich darin nie durch ethnische Herkunft definieren, sondern nur durch Meisterschaft der tradierten Formen und ihre zeitgemäße Interpretation. Mit großer Verspätung also noch ein herzlicher Glückwunsch an Herbert Lang!
    Weitere Infos hier: www.dig-ev.de/daten/presse_gbonn2006.htm

    Generationswechsel bei Rikhi Ram in Delhi
    Rikhi Ram in Delhi ist in den letzten Jahrzehnten neben Hiren Roy aus Kalkutta der wohl bekannteste (und kostspieligste) indische Sitarbauer gewesen. Rikhi Ram war nicht nur bekannt für höchsten Qualitätsstandard bei Sitars und Tanpuras, sondern auch für zahlreiche Innovationen, wie z.B. eine kompakte rechteckige Reisetanpura (bespannt mit dicken umwickelten Saiten), optimierte Formen beim Bau von Fiberglaskoffern für Sitars, oder auch eine kompakte Reisesitar mit flachem Korpus und Gitarrenmechanik statt Wirbelkasten. Es spricht für die Qualität dieser Innovationen, dass sie von anderen renommierten Instrumentenbauern nachgebaut und weiterentwickelt wurden. Die seit kurzem auch bei India Instruments erhältliche Sur Tanpura von Monoj Kumar Sardar, eine Kombination aus Tanpura und Swarmandal, ist beispielsweise ein Nachbau der Swar Sangam von Rikhi Ram. Und ein kürzlich fertiggestellter Prototyp einer kompakten Reisesitar mit Gitarrenmechanik von Hiren Roy basiert auf der Ovation Sitar von Rikhi Ram. Bedauerlicherweise ist der langjährige Leiter und kreative Kopf von Rikhi Ram, Bishan Dass Sharma, kürzlich verstorben. Seine Frau und Erbin Parvati Sharma hat nun seinen Sohn und langjährigen Mitarbeiter Ajay Sharma mit der Weiterführung der Geschäfte und des Markennamens Rikhi Ram beauftragt. Insiderberichten zufolge ist derzeit aber noch unklar, ob das bekannte Traditionsgeschäft am zentral gelegenen Connaught Place weitergeführt werden wird. Angesichts der noch etwas ungewissen Situation muss momentan von Bestellungen über die weiterhin erreichbare Rikhi-Ram-Website abgeraten werden. Risikofrei und hoch interessant für Sitaristen und Instrumentenbauer ist aber sicher ein Blick auf die Firmengeschichte unter www.rikhiram.com/journey.php


    August 2006
    Bismillah Khan verstorben
    Der große Shahnai-Virtuose Bismillah Khan, einer der populärsten Musiker Indiens, ist am 21.8. in Varanasi im Alter von 90 Jahren an Herzversagen gestorben. Bismillah Khan wuchs in einer traditionellen Hofmusikerfamilie im Bundesstaat Bihar auf. Vor seiner Zeit wurde die Shahnai (eine Art indische Oboe) vor allem bei Tempelfesten und Hochzeiten gespielt. Er war es, der die Shahnai als vollwertiges Soloinstrument in der klassischen nordindischen Musiktradition etablierte. Eine Schlüsselrolle spielte dabei sein legendäres Konzert zur Feier der indischen Unabhängigkeit 1947 im Roten Fort von Delhi. Der gläubige Moslem galt als Inbegriff für den religiösen Pluralismus und das friedliche Miteinander der Kulturen Indiens. Für seine Verdienste erhielt Bismillah Khan 2001 als dritter indischer Musiker überhaupt den Bharat Ratna, die höchste zivile Auszeichnung des indischen Staates.


    juli 2006
    Auszeichnungen für indische Musiker
    Auch 2006 sind wieder mehrere indische Musiker für ihre Verdienste mit hohen zivilen Orden des indischen Staates ausgezeichnet worden! Die Auszeichnungen spiegeln das hohe Prestige wieder, das die klassische Musiktradition in der indischen Öffentlichkeit genießt. Den "Padma Shree", vierthöchster ziviler Staatsorden, erhalten meist relativ junge Künstler auf der Höhe ihrer Meisterschaft. Er wurde jüngst verliehen an die klassisch-nordindischen Sänger Rashid Khan, Swami Hari Govind Maharaj und Madhup Mudgal, die ebenfalls klassisch-nordindische Sängerin Vasundhara Komkali, die südindische Sängerin und Violinistin Gayatri Sankaran sowie den populären Ghazal-Sänger Pankaj Udhas. Der dritthöchste Orden "Padma Bhushan" wird meist an verdiente ältere Künstler in Würdigung ihres gesamten Lebenswerkes vergeben. Er ging dieses Jahr an den Sitaristen Abdul Halim Jaffer Khan, die nordindischen Sänger Ghulam Mustafa Khan und Shanno Khurana sowie an den Sarangispieler Sabri Khan. Mit dem zweithöchten Orden "Padma Vibhusan" wurden in der Vergangenheit u.a. die nordindischen Sänger und Sängerinnen Kishori Amonkar, Gangubai Hangal, Pandit Jasraj und Mallikarjun Mansur, die südindischen Sänger Balamuralikrishna und Semmangudi Srinivasa Iyer, sowie die Instrumentalsolisten Amjad Ali Khan (Sarod), Hariprasad Chaurasia (Bansuri), Shivkumar Sharma (Santur) und Ram Narayan (Sarangi) ausgezeichnet. Der höchste indische Staatsorden Bharat Ratna wurde bisher erst an vier indische Musiker vergeben: an die südindische Sängerin M.S.Subbulakshmi (1998), an den Sitaristen und Komponisten Ravi Shankar (1999), an den Shahnaivirtuose Bismillah Khan und an die Filmsongsängerin Lata Mangeshkar (beide 2001).


    Mai 2007
    Ali Akbar Khan wurde 85
    Am 14. April vollendete der legendäre Sarodmeister Ali Akbar Khan sein 85. Lebensjahr. Der Geburtstag wurde am Ali Akbar College of Music in San Rafael, Kalifornien, im Kreis von Schülern und Familie gebührend gefeiert. Trotz seines hohen Alters und zunehmender gesundheitlicher Probleme unterrichtet Khansahib, wie Ali Akbar Khan von seinen Schülern genannt wird, nach wie vor regelmäßig in seinem College und ist auch weiterhin als konzertierender Künstler aktiv. Zeit für eine kleine persönliche Widmung von Yogendra:

    Ohne das Lebenswerk dieses genialen Musikers und hingebungsvollen Lehrers würde es wohl auch India Instruments nicht geben. In meinen Lehrjahren bei Khansahib lernte ich u.a. den wunderbaren Ali Akbar College Store kennen, und es entstand die Idee, etwas Ähnliches in Europa aufzubauen. Entscheidende Kontakte für die Verwirklichung dieser Idee wurden in San Rafael geknüpft. Aber auch musikalisch habe ich Khansahib ungeheuer viel zu verdanken. Sein musikalisches Verständnis (oder das, was ich davon erfassen konnte), seine intuitive Kreativität, seine spannungsgeladene Intensität und seine lebendige Spontaneität auf der Bühne wie auch im Unterricht sind bis heute ein ständiger Quell der Inspiration. Khansahib hat mein Leben entscheidend geprägt, und ich bin zutiefst dankbar dafür.

    Weitere Infos zu Ali Akbar Khans Leben und Werk finden sich u.a. auf folgenden Websites:
    Wikipedia-Artikel zu Ali Akbar Khan: http://en.wikipedia.org/wiki/Ali_Akbar_Khan
    Ali Akbar Khans eigene Website: www.ammp.com/aak.html
    Website des Ali Akbar College of Music in San Rafael: www.aacm.org
    Website des Ali Akbar College of Music in der Schweiz: www.kenzuckerman.com/AACM.HTM
    Feature zum 85. Geburtstag bei Reuters: http://in.today.reuters.com/news/


    April 2006
    Indienschwerpunkt Biennale Bonn
    Vom 13. - 21.5. präsentiert die Biennale Bonn:Indien 2006 zwölf Theatergruppen, fünf Tanzproduktionen, eine Oper, vier Lesungen, fünf Konzerte und drei DJ-Sets. Darüber hinaus nähern sich fünf Ausstellungen in Kooperation mit Bonner Museen dem Thema, ebenso wie zwei Podiumsdiskussionen und ein zweitägiges Symposion in Kooperation mit der Universität Bonn. An mehreren Abenden werden zudem indische Dokumentar- und Spielfilme gezeigt. Für Musikliebhaber besonders interessant ist wohl das Konzert mit Hariprasad Chaurasia, Trilok Gurtu, Markus Stockhausen und Ferenc Snétberger am 16.5., das vom WDR 3 live mitgeschnitten und später gesendet werden soll. Insgesamt ein hochklassiges Festival mit einem reizvoll zusammengestellten Panorama aktueller Entwicklungen in den verschiedensten Bereichen indischer Künste! Weitere Infos.


    März 2006
    Anoushka Shankar startet durch
    Anoushka Shankar, 24-jährige sitarspielende Tochter von Sitarlegende Ravi Shankar, startet weiter durch. Für ihre Verdienste um die Musik erhielt die prominente Nachwuchskünstlerin im Februar im indischen Fernsehen den Gr8!-Preis der populären gleichnamigen Fernsehillustrierten. Der Preis wird jährlich für besondere Leistungen auf den verschiedensten Gebieten ausschließlich an Frauen vergeben. In diesem Jahr wurden insgesamt 15 Frauen ausgezeichnet.

    Im Dezember war bereits Anoushkas neues Album "Rise" für den Grammy in der Kategorie World Music nominiert worden. "Rise" war zuvor in diversen Hitparaden platziert. Nachdem Anoushka bisher nur rein klassisch-indische Aufnahmen eingespielt hatte, geht sie auf "Rise" erstmals eigene musikalische Wege. Ihre Begleiter dabei sind u.a. Ricardo Miño (Piano), Petro Eustache (Flöte) und Vishwa Mohan Bhatt (Slide-Gitarre Mohan-Vina). Mehr dazu hier: www.anoushkashankar.com


    28.12.2005.
    Nachruf Manfred Junius
    Wie sich erst jetzt zu uns herumgesprochen hat, ist im März 2004 der bedeutende deutschstämmige Musiker, Alchemist und Ayurvede Manfred Michael Junius in Adelaide / Australien verstorben. Manfred Junius war einer der großen Pioniere in der Beschäftigung Europas mit indischer Musik. 1929 in Hagen geboren verbrachte Junius die 50er und 60er Jahre mit dem Studium indischer Musik in Indien - und brachte es schließlich bis zum Professor für Veena, Surbahar, Sitar und Esraj an der renommierten Prayag Sangit Samiti in Allahabad. Nachdem er in Indien alles Erreichbare erreicht hatte, ging Manfred Junius für ein kurzes Intermezzo nach Europa und entfaltete eine rege Lehr- und Forschungstätigkeit in Berlin und Venedig am Internationalen Institut für Vergleichende Musikwissenschaft, an der Universität von Cosenza (Kalabrien) sowie als Gastdozent an den Musikhochschulen Hannover und Lübeck. Seit den 70er Jahren lebte er schließlich in Australien und widmete sich der ayurvedischen Medizin und der Alchemie. Neben eigener Praxis und umfangreicher Lehr- und Publikationstätigkeit gründete Junius ein Unternehmen für Herstellung und Vertrieb spagyrischer Heilmittel nach von ihm selbst entwickelten Verfahren. Sein hellwacher, stets für Neues aufgeschlossener Geist, seine Experimentierfreude, seine Kommunikationsgabe und seine Suche nach den verborgenen Zusammenhängen hinter der Welt der Erscheinungen führten immer wieder zu neuen Früchten der Erkenntnis, die er inspirierend und lebendig in Büchern, Vorträgen, Seminaren und Manuskripten zu vermitteln wusste. Sein populäres Buch "The Sitar - The Instrument and its Technique" (€ 21,-, erhältlich bei India Instruments) beispielsweise ist auch über 30 Jahre nach seinem Erscheinen zeitlos aktuell. Mit Manfred M. Junius hat die Welt einen großen, weiten Geist verloren.
    Ausführlichere Infos über Manfred Junius hier www.gerhard-kissel.de/html/manfred_junius.html


    28.12.2005
    Ruhestand für Jan Reichow
    Am 6.12. vollendete Jan Reichow, mehrfach ausgezeichneter Vermittler außereuropäischer Musik, sein 65. Lebensjahr (herzlichen Glückwunsch nachträglich!) und wurde als WDR-Redakteur in den Ruhestand versetzt. Jan Reichow studierte 1960-1970 Schulmusik, Violine, Germanistik, Musikwissenschaft, Philosophie, und Völkerkunde und krönte seine akademische Laufbahn mit einer Dissertation über arabische Musik. Seit 1969 war er beim Westdeutschen Rundfunk Köln zunächst als freier Mitarbeiter, ab 1976 dann als Abteilungsleiter und Redakteur, ein unermüdlicher, geduldiger, kenntnisreicher und höchst produktiver Vermittler des gesamten Spektrums außereuropäischer Musiktraditionen. Aber auch als profunder Kenner abendländischer Musiktradition und als aktiver Musiker wurde Jan Reichow von Fachwelt und Öffentlichkeit hoch geschätzt. Wahrscheinlich lag gerade in dieser Verbindung aus lebendiger musikalischer Praxis, tiefer Verwurzelung in der eigenen Musiktradition und vorurteilsfreier Offenheit für andere Musikwelten seine besondere Begabung. Für sein Lebenswerk wurde Jan Reichow unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem deutschen Weltmusikpreis RUTH ausgezeichnet. Freunde indischer Musik werden Jan Reichow vor allem danken für die seit 1970 beim WDR veranstalteten Konzerte (und die daraus entstandenen Radiosendungen) mit nahezu allen großen, aber vielen noch unbekannten jungen Namen indischer Klassik - 35 Jahre indischer Musikgeschichte konnten so hautnah miterlebt werden!

    Glücklicherweise will Jan Reichow auch nach seinem 65. Geburtstag als freier Mitarbeiter beim WDR und als Autor seiner eigenen Website aktiv bleiben. Sein nächstes Projekt ist eine 4-stündige Sondersendung am 31.12. (WDR 3, 20.03 bis 0.05 Uhr) mit dem deutsch-indischen Titel: "Beethoven und Dikshitar – ein alter Weg ins neue Jahr" – darin natürlich auch viel (süd-) indische Musik! Im Januar ist dann ein Rückblick auf 30 Jahre Musik anderer Kulturen im WDR geplant, im Februar ein Japan-Thema, und dann weiter wahrscheinlich pro Monat eine Sendung. Auf seiner Website www.janreichow.de veröffentlicht Jan Reichow u.a. Manuskripte von Vorträgen zum gesamten Spektrum seines Schaffens. Geplant ist dort auch die Veröffentlichung der Manuskripte seiner Rundfunksendungen. Hoch interessante Lektüre!

    Eine ausführlichere Laudatio auf Jan Reichow findet sich hier www.weltmusikpreis.de/03-01.htm.


    28.12.2005
    Sitarist Shambo Musiker des Monats
    Der niederländische Sitarist Tammo Heikens, Künstlername Shambo, wird im Dezember von www.musisite.com als Musiker des Monats vorgestellt. www.musisite.com ist ein Forum niederländischer Berufsmusiker. Shambo studierte u.a. Sitar bei Budhaditya Mukherjee am Konservatorium Rotterdam, konzertiert als klassischer Sitarist und in verschiedenen Fusion-Formationen, unterrichtet und betreibt ein eigenes Tonstudio. Bei India Instruments gibt es von Shambo mit der Gruppe Purusha die CD "Rosa M.", eine wunderbar meditative Verbindung von gregorianischem Gesang und Sitarklängen (€ 16,-) – mehr dazu hier.


    24.11.2005
    Postume Auszeichnung für Vilayat Khan
    Vilayat Khan, im März 2004 verstorbener legendärer Sitarmeister, ist postum noch einmal ausgezeichnet worden. Sein Doppelalbum "Al wida – Farewell", die letzte Live-Aufnahme vor seinem Tod, wurde vom Preis der deutschen Schallplattenkritik in der Rubrik Traditionelle ethnische Musik in die Bestenliste 4/2005 aufgenommen. Im Londoner Konzert vom 2.11.2003 spielt Vilayat Khan zunächst den meditativen Morgenraga Lalit und anschließend den populären romantischen Raga Bhairavi. Tablabegleiter ist der in England lebende Shivshankar Ray. Das ausführliche Booklet enthält einen Essay des Schriftstellers Deepak Raja sowie Fotos aus Vilayat Khans persönlichem Familienalbum.


    24.11.2005
    Shankar Ghosh wurde 70
    Tabla-Altmeister Shankar Ghosh, prominenter Vertreter des Kalkutta-Farukhabad-Stils und seit vielen Jahren auch in Deutschland als Tablalehrer aktiv, konnte im Oktober seinen 70. Geburtstag feiern. Ausgebildet u.a. vom legendären Gyan Prakash Ghosh ging Shankar Ghosh schon 1962 mit Ali Akbar Khan auf seine erste Auslandstournee. Im Laufe der Jahre begleitete er nahezu alle großen Namen der indischen Musik (darunter auch das Sitaristen-Dreigestirn Ravi Shankar, Vilayat Khan und Nikhil Banerjee) in Konzerten auf der ganzen Welt. Darüber hinaus profilierte er sich als Tabla-Solo-Performer und als Lehrer und komponierte für Film und Fernsehen und für sein eigenes Percussion-Orchester. Zahlreiche bekannte Schüler (darunter vor allem sein Sohn Vikram Ghosh) sind Zeugnis seiner großen pädagogischen Begabung. Bei India Instruments ist von ihm eine ausgezeichnete Tabla-Lehr-DVD erhältlich. Mehr über Shankar Ghosh: www.chembur.com/anecdotes/sghosh.htm


    26.07.2005
    Tablameister Shafaat Ahmed Khan verstorben
    Nach einer akuten Hepatitis-B Infektion ist am 24.7. in Delhi im Alter von 51 Jahren völlig überraschend der große Tablavirtuose Shafaat Ahmed Khan verstorben. Shafaat, Vertreter der Delhi-Gharana, spielte mit nahezu allen führenden indischen Musikern und genoss auch als Mensch in der indischen Musikwelt einen ausgezeichneten Ruf. Für seine Verdienste hatte er u.a. den Padma Shri, einen der höchsten indischen Staatsorden erhalten. Ein kurzes Portrait und Interview mit Shafaat findet sich auf www.3to6.com/final_music/Shafaat%20Ahmed%20Khan.htm.


    26.07.2005
    Auszeichnung für Balamurali Krishna
    Nachdem er 2004 auf Tournee in Frankreich war, hat der große südindische Sänger Balamurali Krishna im April diesen Jahres den französischen Chevalier-Orden erhalten. Balamurali Krishna war in Indien bereits mit dem Padma Shri und dem Padma Vibhushan geehrt worden, zwei der höchsten Auszeichnungen des indischen Staates. "Es ist eine seltene Ehre für die karnatische Musikwelt", sagte Balamurali Krishna nach der Ordensverleihung.


    30.05.2005
    Debu Chaudhuri wird 70
    Am 30. Mai 2005 feiert der renommierte Sitarist Debu Chaudhuri seinen 70. Geburtstag! Für alle, die ihm gratulieren wollen, hier seine eMmailadresse: sitardebu@yahoo.com. Debu Chaudhuri lernte von Mushtaq Ali Khan und ist heute der bekannteste Vertreter der fast ausgestorbenen Jaipur Senia Tradition.


    29.04.2005
    Kamalesh Maitra verstorben
    Kamalesh Maitra ist am 22.4. nach langer schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren verstorben. Seit Mitte der 70er Jahre lebte er in Berlin. Er war ein mit etlichen Preisen ausgezeichneter großer Pionier indischer Musik im Westen. Als Meister des Tablatarang (ein gutes Dutzend auf einen Raga gestimmter Tablas, auf denen man Melodien spielt), als Sarod- und Tablaspieler, als Komponist und als unermüdlicher Lehrer hat Kamalesh Maitra über Jahrzehnte hinweg einen unschätzbaren Beitrag zur indischen Musik in Deutschland und der Welt geleistet. Der große Kreis seiner Freunde, Schüler und Bewunderer wird ihn schmerzlich vermissen. Eine ausführliche Würdigung von Kamalesh Maitras Lebenswerk werden wir voraussichtlich in Kürze in einem Sonderrundbrief verschicken.


    25.03.2005
    Ravi Shankar für Friedensnobelpreis nominiert
    Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters befindet sich unter den bisher 137 für den Friedensnobelpreis 2005 nominierten Einzelpersonen auch der weltbekannte Sitarist Ravi Shankar. Ebenfalls nominiert wurden der Sänger Bono von U2, Papst Johannes Paul II., ex-US-Außenminister Colin Powell und der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko. Die offizielle Nominierungsliste wird allerdings erst im Oktober bekannt gegeben und die Preisverleihung erfolgt am 10. Dezember.


    25.03.2005
    Kanai Lal Mukherjee verstorben
    "Nach kurzer, schwerer Krankheit ist ganz unerwartet in der vergangenen Woche Kanai Lal Mukherjee, der Begründer und Inhaber des Labels Nataraj Music, verstorben. Kanai Lal Mukherjee war der erste, der ab ca. 1980 nahezu alle LPs klassicher indischer Musik der Firma EMI India in Deutschland zugänglich gemacht hatte. 1985 veröffentlichte er dann auf seinem eigenen Label Nataraj Music die erste LP: Dakshina Mohan Tagore (Dilruba) – Music for Meditation: Raga Yaman, die den "Preis der Deutschen Schallplattenkritik" erhielt, wie drei weitere seiner Veröffentlichungen. Im Laufe der Zeit veröffentlichte er insgesamt 13 LPs bzw. später CDs, darunter einige grosse Namen wie Vilayat Khan, Bismillah Khan und Amjad Ali Khan, aber auch einige ausgesprochene Raritäten. Die letzte Veröffentlichung war die wunderschöne Shehnai-Aufnahme von Ali Ahmed Khan mit den Ragas Gurjari Todi und Bhoop Kalyan – für mich die schönste Shehnai-Aufnahme überhaupt. Als ich mein eigenes Geschäft eröffnete - Kanai Lal Mukherjee war zu dieser Zeit nicht mehr selbst aktiv – hat er mich immer grosszügig unterstützt. In grosser Dankbarkeit nehmen wir Abschied von ihm." - Axel Elbin


    23.02.2005
    Nachruf Andreas Urbani
    Andreas Urbani begann sein Studium indischer Musik 1983 in Indien. Während seines 7-jährigen Aufenthaltes lernte er meist unter Leitung des Sitaristen Rabindra Goswami. Später widmete er sich auch dem Spiel der Dilruba. In den vergangenen Jahren war er in Süddeutschland als Instrumentenhändler und Produzent tätig. Sein Label 'Internal Musik' veröffentlichte CDs unter anderem mit Krishna Bhatt (Sitar) und Gianni Ricchizzi (Vichitra-Vina).
    Die indische Musik war für Andreas Urbani untrennbar mit seinem spirituellen Weg des Surat Shabd Yoga, der Meditation auf inneres Licht und inneren Ton, verbunden. So sah er seine Arbeit als Musikverleger vor allem als Möglichkeit, mit einer neuen geistigen und meditativen Musik - möglichst ohne synthetische Instrumente - die Tore zu den Herzen der Menschen zu öffnen.
    Andreas verstarb am 26.12.2004 mit Anfang 40 nach einer ihm erst seit wenigen Monaten bekannten Krebserkrankung. Die deutsch-indische Musikszene verliert mit ihm einen spirituell geprägten Musiker, dem die Verbreitung der indischen Musik stets wichtiger war als persönliche Bühnenerfolge.


    26.01.2004
    M.S.Subbulakshmi gestorben
    M.S.Subbulakshmi, kurz “MS”, die große alte Dame des südindischen Gesangs, ist am 11.12.2004 in Chennai im Alter von 88 Jahren gestorben. MS war ein musikalisches Wunderkind: Ihre erste Schallplattenaufnahme machte sie bereits im Alter von 10 Jahren, und schon als Teenager genoss sie enorme Popularität. Hauptrollen in mehreren Filmen in den 30er und 40er Jahren machten sie schließlich zur landesweiten Berühmtheit. Jahrzehntelang war MS eine der herausragendsten Künstlerpersönlichkeiten Indiens und trug damit auch dazu bei, den lebendigen Fortbestand der karnatischen Musik Südindiens zu sichern und diese Tradition im Westen bekannt zu machen. Nach zahlreichen anderen bedeutenden Auszeichnungen erhielt M.S.Subbulakshmi 1996 für ihr Lebenswerk den Bharat Ratna, die höchste zivile Auszeichnung der indischen Republik.


    05.12.2004
    Auszeichnung für Arvind Parikh
    Ein erfolgreiches Jahr für den Sitaristen Arvind Parikh, Meisterschüler von Vilayat Khan: Nachdem seine CD-Rom Sitar Guru im 3. Quartal 2004 in die Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik aufgenommen worden war, erhielt er im November den renommierten Sangeet Natak Akademi Award für 2003 in der Kategorie Instrumental Music. Weitere Preisträger sind die nordindischen Sänger Ghulam Mustafa Waris Khan und Yeshwant Balkrishna Joshi, Percussionist Bhawani Shankar Kathak, sowie die südindischen Musiker Trichur Vaidyanatha Ramachandran, Mandayam Annadorai Narasimhachar, Avarsarala Kanyakumari (Violine) und Kadri Gopal Nath (Saxophon). Die Sangeet Natak Akademi Awards sind so etwas wie die Grammys der indischen Musikszene.


    25.09.2004
    Auszeichnung für CDR Sitar Guru
    Die CD-Rom "Sitar Guru" ist als beste Produktion in der Kategorie "Traditionelle ethnische Musik" in die Vierteljahres-Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik aufgenommen worden! Der Preis der deutschen Schallplattenkritik wird von einer Jury unabhängiger Schallplattenkritiker vergeben. Seine Aufgabe ist es, die Öffentlichkeit auf herausragende Aufnahmen des Tonträger- und Bildtonträgerangebots aufmerksam zu machen. Näheres dazu sowie die komplette Bestenliste finden Sie unter www.schallplattenkritik.de
    Sitar Guru ist eine Kombination aus CD-Rom und Audio-CD mit dem Ziel, Formensprache und Technik der klassischen nordindischen Sitarmusik einer breiteren Öffentlichkeit verständlich zu machen. Präsentiert wird das Material von Arvind Parikh, einem der ältesten Schüler des in diesem Frühjahr verstorbenen legendären Virtuosen Vilayat Khan. Sitar Guru eignet sich sowohl als Verständnishilfe für passive Musikliebhaber als auch als Lernanregung für aktive Sitaristen. Nähere Infos dazu unter
    www.india-instruments.de/pages/media/cd-roms/cdrom.html Sitar Guru ist für 35,- Euro (zzgl. Versand) erhältlich bei India Instruments!


    27.04.2004
    Kelucharan Mohapatra gestorben
    Kelucharan Mohapatra, der wohl bedeutendste Meister des klassischen Odissi-Tanzes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ist am 8.4. im Alter von 78 Jahren überraschend in Bubaneshwar gestorben. Kelucharan Mohapatra studierte von frühester Kindheit an Percussion, Gesang, Tanz und bildende Kunst und wirkte federführend mit bei der Kodifizierung des modernen Odissi-Repertoires in den 50er Jahren. Er war nicht nur selbst als Solotänzer erfolgreich, sondern bildete auch zahlreiche bedeutende moderne Odissi-Interpretinnen aus (z.B. Sanjukta Panigrahi, Sonal Mansingh, Pratima Bedi, Madhavi Mudgal). Sein Lebenswerk trug entscheidend dazu bei, Odissi als klassischen indischen Tanzstil in der Weltöffentlichkeit zu etablieren. Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt 2000 den Padma Vibhushan, den zweithöchsten Orden des indischen Staates.


    14.03.2004
    VILAYAT HUSSAIN KHAN PASSED AWAY
    Vilayat Hussain Khan, who died in Mumbai late Saturday night following a prolonged illness, was one of the greatest sitar players of his generation. Khan belonged to the family of great sitarists, including his father Ustad Inayat Hussain Khan and grandfather Imdad Hussain Khan, with the family lineage going back to several generations of musicians. Both of his sons, Sujat and Hidayat, and brother Imrat and nephew Rais Khan are accomplished sitar players. Vilayat Khan, who used to spend most of his times in his second home in New Jersey in the US, was born in 1928 in Gouripur, now in Bangladesh, and was initiated to music quite early in life. Since his father died early, he received most of his training from maternal grandfather Ustad Bande Hussain Khan and maternal uncle Zinda Khan. He did his first recording at a very tender age of eight and went on to achieve worldwide fame with his brilliant sitar playing. He was probably the first Indian musician to go out of the country and perform in England after independence in 1951. He maintained this tradition of performing abroad till his last days as he used to spend eight months a year abroad. Vilayat Khan, suffering from diabetes and hypertension for long, was recently detected with lung cancer and admitted to Mumbai's Jaslok Hospital on February 26 where the end came at 11.25 pm last night. He is survived by two wives, sons Shujaat and Hidayat and daughters Yaman Khan and Zila Khan. Considered by most music critics as the finest exponent of sitar the country has ever produced, Vilayat Khan was credited with creating his own style of sitar play. Since he had a deep interest in Mughal music as well, he invented the 'gayaki' (vocal) style in sitar playing which used to give the audience a sense of singing on sitar. For his brilliant sitar play, he was the only artiste to receive the title of 'Aftab-e-Sitar' (the sun of sitar) by President Fakhruddin Ali Ahmed and 'Bharat Sitar Samrat' by Artistes Association of India. Khan, however, always complained that his contribution to Hindustani classical music had not been properly appreciated by the authorities and that was why he turned down Padmashree award in 1964 and Padmavibhushan in 1968 saying that the deciding committees of these awards were not competent enough to judge his music.

     


    05.03.2003
    IRSHAD HUSSEIN KHAN PASSED AWAY
    Tabla player Irshad Hussain Khan died in Amsterdam on March 5th 2003, at the age of 29. His health had been declining for a couple of years and he died of total exhaustion. Irshad stemmed from a long line of Indian musicians (the Jaipur Gharana). His father was Zamir Ahmad Khan, also a tabla-player, and his grand-father was the well-known sarangi player Munir Khan. Irshad's approach was strongly based on the old styles and the traditional repertoire, but he combined this with much of his own improvisational creativity. He has had the opportunity to accompany some of the finest musicians of India such as V.G. Jog, Hariprasad Chaurasia, Sayeeduddin Dagar and G.S.Sachdev. Apart from classical accompaniment he also performed and recorded with famous musicians from the jazz- and world-music scene such as Theo Loevendie, Joachim Kühn, David Vriessen, Philip Catherine, Ross Daly, and with percussionists like the Iranian zarb maestro Djamchid Chemirani and the African master drummers Fodé Youla, Adama Dramé, Omar Diabaté and Alfa Camara. The Indian music community mourns the loss of a dedicated and conscientious musician and a sympathetic, modest and friendly human being.

     


    27.9.02
    STIPENDIEN
    Das ASA-Programm der Carl-Duisberg-Gesellschaft vergibt wieder Stipendien für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit (www.asa-cdg.de). In diesem Zusammenhang könnten auch Projekte gefördert werden, bei denen deutsche Jugendliche nach Indien fahren, um dort drei Monate lang z. B. in einer Musikschule oder einer Instrumenten-Werkstatt mitzuarbeiten. Neben der Finanzierung des Fluges wird eine Monatspauschale gezahlt.

     


    27.9.02
    BUDDHADEB CHATTOPADHYAYA VERSTORBEN
    Am 4. Mai diesen Jahres ist der Kathak-Tänzer, Dhrupad-Sänger und Maler Buddhadeb Chattopadhyaya gestorben. Buddhadeb Chattopadhyaya war ein Vertreter der Bhramari-Tradition von Kathak-Tanz und Malerei, die sich auf alte tantrische Traditionen beruft und sich in ihrer Ästhetik von den heute vorherrschenden Strömungen stark unterscheidet. Dementsprechend blieb er mit seiner Kunst in Indien eher eine Randfigur und fand neben einigen Bewunderern auch viele Kritiker. Im vergangenen Jahr stellte er sich auf einer Tournee auch dem deutschen Publikum vor. Im Dezember findet in Delhi in Gedenkveranstaltung für ihn statt.

     


    22.8.02
    VIDUR MALLICK GESTORBEN
    Der grosse Dhrupadsänger Vidur Mallick ist am 20. Juli an Nierenversagen gestorben. Vidur Mallick war der führende Vertreter der Darbhanga-Tradition des Dhrupad-Gesangs. Dem Publikum in Deutschland war er u. a. durch seine Teilnahme an den Indien-Festspielen 1992 und durch seine letzte Tournee im Sommer 2001 sowie durch einige CD-Einspielungen bekannt. Die Darbhanga-Tradition wird nach seinem Tod u. a. von seinen Söhnen Prem Kumar und Ram Kumar Mallick weitergeführt.

     


    28.2.2002
    GRAMMY FOR RAVI SHANKAR
    Los Angeles (AFP): Legendary Indian sitar player and composer Ravi Shankar won one of music's highest awards, a Grammy, for his achievements in world music. Shankar was honoured for his album "Full Circle / Carnegie Hall 2000" in the category in which he competed against artists such as Brazil's Gilberto Gil and Milton Nascimento and Britain's John McLaughlin for "Saturday Night In Bombay -- Remember Shakti." Shankar also saw off competition from Afro Celt Sound System for "Further In Time" in the category which recognizes traditional music.
    Born in the sacred Indian city of Varanasi, Ravi Shankar has achieved legendary stature as a composer, performer and teacher as well as widespread international recognition which boost the profile of Indian music. As a child, Shankar performed in the dance company of his brother Uday, but gave up dancing at the age of 18 to study the sitar. Shankar was music director of All-India Radio, where he composed many film scores, notably for the celebrated Apu trilogy of Bengali director Satyajit Ray. 

     


    17.2.2002
    HOHE AUSZEICHNUNGEN FÜR INDISCHE MUSIKER
    Indien hat Anfang Februar mehrere klassische Musiker für ihre Verdienste um das Land ausgezeichnet. Den Padma Vibhushan, nach dem Bharat Ratna der höchste zivile Orden, erhielten die Sängerinnen Gangubai Hangal, Kishori Amonkar sowie der Tablameister Kishan Maharaj. Der Padma Bhushan wurde an Zakir Hussain (Tabla), Prabha Atre (Gesang), Shobha Gurtu (Gesang) und Sitara Devi verliehen. Den Orden Padma Shri erhielten Vikku Vinayakam (Ghatam), Vishwa Mohan Bhatt (Mohan-Vina / Gitarre) und Abdul Latif Khan (Sarangi). Die Ordensverleihung unterstreicht den unvermindert hohen Stellenwert klassischer indischer Musik im Kulturleben Indiens.

     


    30.1.2002
    INDIAN MUSIC DEGREE COURSE AT VICENZA CONSERVATORIUM
    Degree in extra-European musical traditions: Indian music (Hindustani)

    The degree course is conceived and coordinated by Enrico Anselmi, principal of the Vicenza Conservatorium. It is authorized by the Italian Ministry of Education (Ministero dell'Università) and has been activated in the academical year 2000/2001. It is the first course in Italy and Europe bringing together the study and practice of Indian music with academical studies of Indian history, languages and philosophy.

    Classes pertaining to musical subjects (Indian music history, theory, singing and instrumental music; ethnomusicology) are held at the Vicenza Conservatorium, one hour journey from Venice. The indological subjects are taught at Venice University, East Asian Studies Dept.(Ca'Foscari). Singing lessons are based on the DHRUPAD genre and are compulsary. In addition, the student may choose an instrument in which to specialize (sitar/vina, bansuri, tabla/pakhawaj). From 2002 the students will be able to choose between 2 different courses of academic studies: HISTORICAL and MODERN. The first one will emphasize the classical subjects (i.e. Sanscrit, History etc.) while the second course will include Hindi and ethnomusicology.

    CONTACT:
    in Germany: Amelia Cuni: tel/fax 030-322 64 59, info@ameliacuni.de
    CONSERVATORIO 'ARRIGO PEDROLLO' DI VICENZA
    principal: M.o Enrico Anselmi, TEL : 0444-507551, FAX : 0444-302706, www.didanet.it/enti/conservatorio_vi
    UNIVERSITA' DI VENEZIA-CA'FOSCARI: http://helios.unive.it/~dsao/webpages