Rundbrief Januar / Februar 2017

Übersicht
1. Jahresrückblick 2016 – Angst & Glückseligkeit
2. Sonderangebote – Schnäppchen & Kostbarkeiten
3. Lehrbuch für Dilruba, Esraj & Taus – Praxisnah & fundiert
4. Abdul Halim Jaffer Khan – Visionär & Rebell
5. The Mumbai Project - Vielschichtig & facettenreich
6. Wie geht eigentlich (indische) Musik? (5) - Disziplin & Entschlossenheit
7. Workshops - Februar bis April
8. Konzerte - März bis April


1. Jahresrückblick 2016 – Angst & Glückseligkeit
- Notizen von Yogendra -


Die Welt ist in Bewegung. Gewissheiten der letzten 15 Jahre scheinen ihre Gültigkeit zu verlieren. Die Europäische Union ist verunsichert durch den Brexit, das Erstärken nationalistischer Kräfte und die Angst vor Terror. Die USA sind tief gespalten und werden von einem politisch unerfahrenen und persönlich unberechenbaren Präsidenten geführt. Die Türkei taumelt zwischen Bürgerkrieg und dem Abgleiten in eine Diktatur. Der nahe Osten steht lichterloh in Flammen. Russland und der Iran heizen die Konflikte durch eine aggressive Außenpolitik an und vergrößern dabei ihre Einflusssphären. In Afrika wandern nach wie vor Hunderttausende auf der Suche nach einem besseren Leben nach Norden Richtung Europa. In Südamerika eskalieren Konflikte und führen zu Umstürzen, Chaos und Abschottung. Das aufstrebende China präsentiert sich derweil überraschend als Stabilitätsanker für die Welt. Und das ebenfalls aufstrebende Indien zieht zwar bei der Bevölkerungszahl mit 1,3 Milliarden Menschen fast mit China gleich, schießt sich aber selbst ins Knie mit einer stümperhaft durchgeführten Bargeldreform, die wochenlang weite Teile der Wirtschaft lahmlegt.

Der Wohlstand in der Welt ist währenddessen auch 2016 insgesamt weiter gewachsen. Millionen Menschen fanden Wege aus dem Würgegriff von Armut und Elend, besonders in China und Indien, aber auch in Südamerika und Afrika. Aber wird diese Entwicklung anhalten? Ist sie nachhaltig? Und können die reichen Staaten Europas und Nordamerikas ihren Wohlstand halten oder gar weiter ausbauen? Oder verliert die wirtschaftlich bisher so erfolgreiche Globalisierung an Fahrt und es beginnt eine Epoche nationalistischer Alleingänge, die bei weiter global wachsender Bevölkerung Konflikte um Ressourcen verschärft und mit gegenseitiger Abschottung die komplexen wirtschaftlichen Verflechtungen zusammenbrechen lässt? Wir wissen es nicht. Niemand kann die Zukunft vorhersehen. Noch leben wir in Mitteleuopa in historisch beispiellosem Reichtum, politischer Stabilität, individueller Freiheit und jahrzehntelang währendem Frieden. Aber allerorten wird von Krise geredet. Verunsicherung und Angst machen sich breit. Doch genau diese Angst bestärkt das, wovor sie sich fürchtet. Bangemachenlassen gilt deswegen nicht. Bleiben wir lieber auf dem Teppich. Realitätssinn ist gefragt. Und eine gute Portion Mut und Optimismus. Diese Qualitäten helfen uns, allen Schwierigkeiten zum Trotz pragmatische Lösungen zu finden und einander mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen, im Kleinen wie im Großen.

Musik kann dazu einen Beitrag leisten. Denn Musik macht glücklich. Darauf weist schon die altindische Ästhetiktheorie hin: All die verschiedenen Gemütszustände (Rasas), die durch Musik (und andere Künste) angeregt werden, führen letztlich zur gleichen Essenz – Ananda, Glückseligkeit. Musizieren macht glücklich. Musikhören macht glücklich. Musik ist klingende Ordnung und entfaltet daraus heilende Kraft. Sie spricht den Bauch ebenso an wie das Herz und den Geist. Sie bringt den einzelnen Menschen in Harmonie mit sich selbst und verbindet ihn mit seinen Mitmenschen. Sie fokussiert und vernetzt gleichzeitig. Indische Musik ist dabei an sich nicht besser oder schlechter als viele andere Musiken. Aber indische Musik hat vielen anderen Musiken ein tradiertes Verständnis ihrer Wirkung auf den Menschen voraus. Die tiefgründige Genauigkeit, mit der sie feinste Färbungen einzelner Töne und ihrer Verbindungen untersucht und komplexeste rhythmische Schichtungen im zeitlichen Ablauf erfasst hat, dürfte weltweit einzigartig sein.

All das spiegelt sich auch in Aufbau und Spieltechniken indischer Instrumente wider. Deswegen lieben wir sie. Und deswegen ist es uns ein Herzensanliegen, sie hierzulande in bestmöglicher Qualität anzubieten. Für uns sind sie ein Tor zu Ananda, Glückseligkeit – und dieses Tor möchten wir gerade in dieser Zeit weit offen halten. Deswegen danken wir auch allen Menschen, die 2016 bei uns durch dieses Tor hindurchgetreten sind – manche zum ersten Mal, manche immer wieder. Dank euch konnte India Instruments dem von Anfang an eingeschlagenen Weg unbeirrt weiter folgen und erneut ein Stück wachsen. Dieses Wachstum stellt uns und unsere Lieferanten allerdings auch vor neue Herausforderungen. Manche Instrumente waren monatelang ausverkauft, weil unsere indischen Partner, allesamt kleine Familienbetriebe, mit der steigenden Nachfrage nicht Schritt halten konnten. Daran wird sich wohl auch 2017 nichts Grundlegendes ändern. Aber die große positive Resonanz und die große Geduld, mit der uns die meisten von euch begegnet sind, ermutigen uns, nach Lösungen zu suchen. Wir bleiben auf dem Teppich – und versuchen weiter, ihn zum Fliegen zu bringen...!


2. Sonderangebote – Schnäppchen & Kostbarkeiten
- Firmen-Info -


Schnäppchen und Raritäten, Kuriosa und Kostbarkeiten - bei unseren Sonderangeboten findet sich all das, was wir nicht über das Standardsortiment im Online-Katalog verkaufen. Bei der Inventur zur Jahreswende haben wir etliche Einzelstücke in unserem Laden gefunden. Manche Instrumente bieten wir in Kommission für die Besitzer an, andere sind Restexemplare ausgemusterter Modelle, angekaufte 2nd Hand Instrumente, Musterstücke, die es nicht in unser Sortiment geschafft haben, oder haben kleine Mängel. Hier eine Auswahl:

  • Vintage Sitar aus den 1940er Jahren – 990 €
  • Persische Santur – 450 €
  • Santur Monoj Kumar Sardar – 580 €
  • Vichitra-Vina Paloma – 1550 €
  • Bambustanpura Male XL – 490 €
  • Harmonium Laptop N. Dutta – 490 €
  • Scale-Changer Harmoniums von Paloma und N. Dutta – 1090 €
  • Profi-Bansuris von Jeff Whittier – 150 bis 250 €
  • 2nd Hand Pakhawaj aus Delhi – 220 €
  • Neue Balaram Mridanga / Khol – 225 €
  • Baya Narayan Badya Bhandar Premium – 279 €
  • Manjiras / Kartals rauh – 14 bis 16 €
  • diverse eTablas - 49 bis 149 €
  • diverse eTanpuras - 49 bis 149 €

Eine Übersicht unserer Sonderangebote gibt es hier – dort bitte für Details auf das jeweilige Instrument klicken. Viel Spaß beim Stöbern!


3. Lehrbuch für Dilruba, Esraj & Taus – Praxisnah & fundiert
- Neu im Sortiment -


A Practical Method for Taus, Dilruba, and Esraj – Level 1: Beginner ist das erste englischsprachige Lehrbuch für drei der beliebtesten indischen Streichinstrumente und füllt damit eine echte Marktlücke. Taus, Dilruba und Esraj sind in Spieltechnik, Geschichte und Repertoire so eng miteinader verwandt, dass es sehr überzeugend ist, sie gemeinsam in einem Buch zu behandeln. Nach einer kurzen Einführung zur Geschichte der drei Instrumente geht es ganz praxisorientiert zu ihrem Aufbau und ihrer Handhabung und Stimmung. Nach einem Überblick zu Konzepten und Begriffen der indischen Musiktradition gibt es zwei Kapitel mit systematisch aufbauenden Grundübungen für linke und rechte Hand. Und dann geht es fünf Kapitel lang zu Übungen und Stücken in den fünf indischen Tonleitern Bilawal, Kafi, Bhairava, Kalyan und Asawari.

Book - A practical method for Taus, Dilruba and Esraj by Michael C. Wheeler. Erfreulich ist die gute didaktische Aufbereitung. Anfänger werden an die Hand genommen und sorgfältig Schritt für Schritt angeleitet. Mehrere Kapitel schließen mit Fragen zur Selbstüberprüfung ab und ermuntern dadurch dazu, die präsentierten Informationen nicht nur zu überfliegen sondern tiefer zu durchdringen. Gelegentlich gibt es Platz für eigene Notizen. Zahlreiche Abbildungen veranschaulichen das Gesagte. Immer wieder gibt es Verweise auf weiterführende Quellen, sowohl zu Büchern als auch zu Filmen und Websites. Der Satz ist angenehm groß und übersichtlich. Die parallele Verwendung von westlichem Notenliniensystem und indischer Buchstabennotation bietet alternative Zugangsmöglichkeiten an. Und die Musikauswahl von klassischen Ragas über Sikh-Kirtans, Volksmusik aus Afghanistan und dem Punjab bis hin zu bengalischen Tagore-Liedern bietet ein reiches Spektrum für verschiedene Geschmäcker – und macht das Buch zu einer Fundgrube auch für Sänger und andere Instrumentalisten!

So lässt sich A Practical Method for Taus, Dilruba, and Esraj wunderbar als Grundlage zum Selbststudium verwenden. Aber auch als begleitendes Material für Unterricht bei einem Lehrer ist es gut geeignet. Damit es dabei nicht zu Verwirrung kommt, wid immer wieder auf verschiedene spieltechische Möglichkeiten hingewiesen. Das lädt auch zu eigenem Ausprobieren ein und ist eine gute erste Vorbereitung auf eigene technische und künstlerische Entscheidungen auf fortgeschrittenem Niveau.

Der Autor Michael C. Wheeler studierte westliche Musik und Weltmusik in Großbritannien und den USA und lernte Sitar bei Sanjoy Bandopadhyay, indischen Gesang bei Haresh Bakshi und Taus bei Surinder Singh. Er arbeitet als Komponist, Musiker und Musikpädagoge.

A Practical Method for Taus, Dilruba, and Esraj – Level 1: Beginner ist ab sofort für 22,- € (zzgl. 3,60 € Versand) bei India Instruments erhältlich. Weitere Infos hier.

Speziell für Esraj können wir auch das Esraj Handbook des österreichischen Komponisten und Esrajspielers Denovaire empfehlen (der auf deutsch Unterricht via Skype gibt) – mehr dazu auf seiner Website.


4. Abdul Halim Jaffer Khan – Visionär & Rebell
- Nachruf von Yogendra -


In den 1960er und 70er Jahren sprachen Musikkenner in Indien gelegentlich vom Sitar Triumvirat oder der Sitar Dreifaltigkeit. Gemeint waren damit drei herausragende Künstler, die der Sitar neue Ausdrucksmöglichkeiten erschlossen und ihr damit zu nie dagewesener Popularität verholfen hatten: der Weltstar Ravi Shankar, der begnadete Virtuose Vilayat Khan und ein Mann, der zeitlebens im Westen relativ unbekannt geblieben ist: Abdul Halim Jaffer Khan. Abdul Halim Jaffer stand damals im Zenit seiner Karriere. 1970, mit gerade mal 43 Jahren, hatte er mit dem Padma Shri einen der ganz hohen indischen Staatsorden erhalten. Er hatte für Filme gespielt und mit Jazzern musiziert, einen eigenen Stil entwickelt, Platten aufgenommen und war ein gefragter Solist auf den großen indischen Bühnen. Aber später wurde es stiller um ihn.

Abdul Halim Jaffer Khan Aufgewachsen war Abdul Halim Jaffer in einer traditionellen Musikerfamilie in Madhya Pradesh. Sein Vater Jaffer Khan war ein Sänger, Sitarist und Rudra-Vina-Spieler aus der Indore Beenkar Schule und unterrichtete ihn von Kindheit an. Allerdings starb sein Vater, als er noch ein Teenager war. Da er sich noch keinen Namen als Konzertsolist hatte machen können, arbeitete er zunächst als Studiomusiker und wurde in den 40er Jahren einer der ersten Sitaristen, die Musik für Bollywoodfilme einspielten. Vielleicht haben diese frühen Jahres des Existenzkampfs seine Persönlichkeit entscheidend geprägt. Ohne Lehrer oder Förderer musste Abdul Halim Jaffer seinen ganz eigenen Weg finden, nur seiner inneren Stimme und seinem eigenen Urteil folgend. So wurde er zu einem musikalischen Visionär, der die Sitar auf eine Weise spielte wie keiner das zuvor getan hatte. Und er wurde zum Rebellen, der traditionelle Konventionen bewusst ignorierte und damit Kenner und die musikinteressierte Öffentlichkeit immer wieder verprellte.

Schauen wir uns die Geschichte dieses charismatischen Solitärs noch etwas genauer an. Als 1947 der erste Bollywoodfilm mit seinem Sitarspiel herauskam war er 20. Danach wurde er unter Kennern klassischer indischer Musik rasch als großes Talent bekannt. Mit seinen einzigartig ausgefeilten Pull-Offs und Hammer-Ons und seinen unkonventionellen Ragainterpretationen voller Sprünge und Arpeggiaturen kreierte er einen ganz eigenen Spielstil, der nach ihm als Jafferkhani Baj benannt wurde. Alap, den meditativen Einführungsteil traditioneller Ragaperformances, fand er unpassend für die Eigenheiten der Sitar, und streng reglementierte Ragas mit ernstem Charakter interessierten ihn wenig. Statt das klassische Ragarepertoire auszudeuten, zog es ihn zu Ragas mit leichterem Charakter, romantischer Stimmung und Elementen aus der Volksmusik. Außerdem interpretierte er gerne südindische Ragas im nordindischen Stil, brachte sie so in das moderne Sitarrepertoire ein und spielte Duette mit südindischen Solisten. 1958 jammte er in Mumbai mit dem großen Jazzpianisten Dave Brubeck und soll dessen Verständnis von Improvisation dabei nachhaltig beeinflusst haben. 1976 gründete er in Mumbai seine eigene Schule, die Halim Academy of Sitar. 1987 erhielt er den Sangeet Natak Akademi Award, die höchste nationale indische Künstlerauszeichnung. Seine Experimente mit Mehrstimmigkeit veröffentlichte er 1999 auf einer Platte mit dem Titel Sitar Quintet. 2006 schließlich wurde ihm der Padma Bhushan verliehen, der dritthöchste indische Staatsorden.

Auf die Frage, warum Abdul Halim Jaffers Karriere nach den 70er Jahren nicht mehr recht vorankam, gibt es verschiedene Antworten. Manche sagen, sein Gehör habe nachgelassen und sein Spiel habe darunter gelitten. Andere meinen, dass seine unorthodoxe Persönlichkeit ihm im Weg gestanden habe. Z.B. ließ er sich keiner Gharana zurechnen, den Stilschulen der Ragatradition, die mit ihren Netzwerken auch einen bedeutenden Einfluss auf das öffentliche Musikleben in Indien haben. Mal sagte er, dass Ton und Rhythmus die einzigen Gharanas seien, die zählten; dann wieder meinte er, die einzig wahren Gharanas seien der Rigveda oder die Liebe. Seine hohe literarische Bildung und seine ausgeprägte Neigung zum Bhakti-Sufismus machten ihn zwar zu einem eloquenten und geistreichen Redner, aber in seinen Äußerungen oft auch erratisch und widersprüchlich. Wieder andere sehen in seiner Musik selbst das Dilemma. Sie erwecke das Bild und das Gefühl eines kunstvoll geknüpften Gobelins mit übersprudelnden Farben und Texturen, stünde aber zu sehr am Rand der klassischen Ragatradition, um dort voll akzeptiert zu werden. So blieb er zeitlebens ein Visionär, dem nur wenige folgen mochten, und ein Rebell, der sich außerhalb des Establishments stellte.

Am 4. Januar ist Abdul Halim Jaffer Khan nach einem Herzstillstand im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in Mumbai gestorben. Der Jafferkhani Baj auf der Sitar wird heute fortgeführt von seinem Sohn Zunain Khan.

Website von Abdul Halim Jaffer Khan, u.a. mit diversen Videos.


5. The Mumbai Project – Vielschichtig & facettenreich
- CD-Rezension von Christian Fischer-Schiedat -


Christian Fischer-Schiedat ist Arzt, Jazzschlagzeuger und Sitarist. Eines seiner Projekte ist das Jazz-Quartett Parallaxe.

Der in Köln lebende Pianist und Komponist Jarry Singla gehört sicherlich zu den interessantesten Jazzmusikern der Gegenwart. Seit vielen Jahren bewegt er sich über musikalisch-stilistische Grenzen hinweg, arbeitete so z.B. mit der ukrainischen Sängerin Mariana Sadovska oder dem irakischen Komponisten Saad Thamir. Aufgewachsen im Rheinland als Sohn eines indischen Vaters und einer deutschen Mutter, begann bereits in früher Kindheit seine musikalische Entdeckungsreise, die ihn über über die Kölner Musikhochschule und die New Yorker New School zum Jazz führte.

Jarry Singla Bereits während seiner Studienjahre entwickelte sich sein großes Interesse an der klassischen Musik Indiens, das ihn zu mehreren Studienreisen nach Indien mit ersten Kontakten zu indischen Musikern bewegte. Es folgte eine intensive Zusammenarbeit mit dem ebenfalls in Köln lebenden südindischen Perkussionisten Ramesh Shotam, die den Grundstein legte für die Gründung des Trios Eastern Flowers 2009 mit dem ebenfalls deutsch-indischen Kontrabassisten Christian Ramond. Auf Einladung des Goetheinstituts bestritt das Trio 2011 eine ausgedehnte Tournee durch Indien. 2013 erhielt Jarry Singla ein mehrmonatiges Stipendium, das ihn nach Mumbai führte, wo er intensive Kontakte zu indischen Musikern knüpfte und sein Studium der indischen Musik vertiefte.

Aus den zahlreichen Begegnungen und Konzerten bildete sich die Keimzelle für das Ensemble The Mumbai Project heraus, mit den Musikern von Eastern Flowers sowie dem klassisch indischen Sänger Sanjeev Chimmalgi, Sarodist Pratik Shrivastav und Tablaspieler Vinnayak Netke. Nach einer intensiven Probenphase folgten 2014 mit Unterstützung der Kunststiftung des Landes Nordrhein-Westfalen Konzerte und Workshops in Deutschland und es entstand die Doppel-CD The Mumbai Project. Im Herbst 2016 wurde sie veröffentlicht.

Mit knapp zwei Stunden Spieldauer und zwölf Titeln hat das Ensemble ein wahrlich beeindruckend vielschichtiges und facettenreiches Werk vorgelegt. Der Großteil der Kompositionen als Basis für die ausgedehnten improvisatorischen Expeditionen stammt aus der Feder Singlas bzw. wurde kollektiv erarbeitet. Daneben finden sich Adaptionen von indischen Gesangsstücken von Kumar Gandharva (Nirguni Bhajan) und Sanjeev Chimmalgi (Sangachhadwam) sowie eine großartig arrangierte Interpretation von Raga Yaman. Der musikalische Bogen reicht von hochenergetischen, rhythmisch und melodisch hochvirtuosen Stücken wie Calcuniketan oder Arohana über ruhigere melodisch-lyrische Stimmungen wie beispielsweise in Sarafi, zu den mystisch-geheimnisvollen Klangwelten in Shloka III.

Die hervorstechendste Qualität des Ensembles besteht in der absolut stimmigen, stets ausgewogenen klanglichen und improvisatorischen Ästhetik: Die Farben des Jazz und der klassisch-indischen Musik verschmelzen völlig organisch zu einem Ganzen. Es ist überaus faszinierend zu erleben, wie völlig selbstverständlich und stimmig sich die Sarod- und Gesangsimprovisationen im Kontext komplexer Jazzharmonien entwickeln und immer wieder zu verblüffen verstehen. Gleichermaßen fasziniert, wie nuanciert und tiefgründig das Spiel mit Shrutis an Klavier und Kontrabass präsent ist. Die gesamte Aufnahme wird hierbei von einer tiefen spirituellen Ruhe und Gelassenheit getragen. Hinzu kommen schließlich noch eine große Portion Spielfreude und eine gute Prise Humor, was Jarry Singlas The Mumbai Project zu einem wahren Juwel macht. Für mich ist The Mumbai Project eine der interessantesten und gelungensten Synthesen von Jazz und klassisch-indischer Musik überhaupt, Weltmusik im allerbesten Sinne!

Website von Jarry Singla.
Live-Videos von Mumbai Project in hervorragender Qualität.


6. Wie geht eigentlich (indische) Musik? (5) – Disziplin & Entschlossenheit
- Zitat von Ravi Shankar -


In der Reihe „Wie geht eigentlich (indische) Musik?“ bringen wir seit Frühjahr 2016 assoziative, prägnante Anregungen von Künstlern und Intellektuellen.

Allauddin Khan Baba [Ravi Shankars Lehrer Allauddin Khan] war immer ein strenger Zuchtmeister für seine Schüler, aber als junger Mann hatte er sich selbst noch weit strengere Lebensregeln auferlegt – er übte oft 16 bis 20 Stunden am Tag und kam dabei mit sehr wenig Schlaf und einem Minimum materieller Dinge aus. Wenn er übte band er manchmal seine langen Haare mit einer kräftigen Schnur zusammen und befestigte das freie Ende an einem Ring in der Zimmerdecke. Wenn er dann mal beim Üben einnickte und sein Kopf nach vorne sackte, zog die Schnur mit einem Ruck an seinen Haaren und weckte ihn wieder. Von früher Kindheit an war Baba bereit und entschlossen gewesen, jedes nur erdenkliche Opfer für die Musik zu bringen.


7. Workshops - Februar bis April
- Szene-Info -


Nähere Infos zu allen Angeboten und weitere Termine auf unserer Workshopseite.

Harmonium 17.03. - 19.03. BAD MEINBERG: Harmonium Lernseminar mit Devadas Mark Janku
17.03. - 19.03. OLDENBURG: Sitar - Schritt für Schritt ... mit Yogendra
07.04. - 13.04. SEHLENDORF / OSTSEE: Dhrupad mit den Gundecha Brothers
14.04. - 16.04. ALLGÄU: Harmonium Lernseminar mit Jürgen Wade
24.04. - 30.04. BERLIN: Indian Music Workshop with vocalist Sangeeta Bandyopadhyay
28.04. - 30.04. NORDSEE: Harmonium Lernseminar mit Jürgen Wade


8. Konzerte - Februar bis April
- Szene-Info -


Ausführlichere Infos, Ort und Zeit sowie weitere Termine in unserem Konzertkalender. Sanjay Subrahmanyan - Karnatic vocalist

18.02. GB - LONDON: Sanjay Subrahmanyan - Karnatic vocal
18.02. A - KLAGENFURT: Indian Air - Sitar, Percussion, Kontrabass
22.02. ULM: Govinda Schlegel - Sarod, Siddharth Kishna - Sitar
24.02. BERLIN: Manickam Yogeswaran - Vocal
24.02. CH - GENEVE: Sanjay Subrahmanyan - Carnatic Vocal
24.02. KRUGZELL: Govinda Schlegel - Sarod
25.02. MEMMINGEN: Govinda Schlegel - Sarod
04.03. GB - LONDON: Saaswathi Prabhu - Karnatic Vocal
04.03. BERLIN: Anoushka Shankar - Sitar
05.03. BERLIN: Anoushka Shankar - Sitar
06.03. BERLIN: Anoushka Shankar - Sitar
06.03. BURGHAUSEN: Indian Air Duo - Sitar, Kontrabass
09.03. F - PARIS: Reno Daniaud - Chaturangui Slide Guitar
11.03. STUTTGART: Neela Bhagwat - Vocal
11.03. WEDEMARK / HANNOVER: Pulsar Trio - Sitar, Klavier Schlagzeug
12.03. STUTTGART: Neela Bhagwat - Vocal
18.03. A - INNSBRUCK: Eastend - Sitar, Vocal, Drums
18.03. GB - LONDON: Kaviraj Singh - Santur / Vocal
18.03. NEUBURG / DONAU: Govinda Schlegel - Sarod
19.03. IRSEE / KAUFBEUREN: Govinda Schlegel - Sarod
19.03. GB - LONDON: S. Aishwarya - Karnatik Vocal
25.03. REGENSBURG: Satyaa & Pari - Kirtan
30.03. PUCHHEIM: Pulsar Trio - Sitar, Klavier Schlagzeug
01.04. CH - ZÜRICH: Satyaa & Pari - Kirtan
01.04. PLAUEN: Pulsar Trio - Sitar, Klavier Schlagzeug
01.04. GB - LONDON: Sherya Devanath - Karnatik Violin
02.04. GLONN: Eastend - Sitar, Vocal, Drums
02.04. STUTTGART: Soumen Bhattacharjee - Sitar
07.04. BERLIN: Indigo Masala - Sitar, Akkordeon, Percussion, Vocal
08.04. GB - LONDON: The Malladi Brothers - Karnatik Vocal
09.04. GB - LONDON: Ramakrishnan Murthy - Karnatik Vocal
09.04. F - PARIS: Shantala Subramanyam - Carnatic Flute Venu
13.04. NL – S'HERTOGENBOSCH: Joel Eisenkramer - Slide Guitar, Kees van Boxtel - Bansuri
17.04. NL - HAARLEM: Joel Eisenkramer - Slide Guitar, Kees van Boxtel - Bansuri
17.04. GB - LONDON: Shrinivas Joshi - Khyal Vocal
20.04. KARLSRUHE: Indian Air - Sitar, Percussion, Kontrabass
21.04. MANNHEIM: Indian Air - Sitar, Percussion, Kontrabass
21.04. DÜREN: Jarry Singla & Eastern Flowers - Piano, South-Indian Percussion, Double-Bass
22.04. LAUTERBACH: Indian Air - Sitar, Percussion, Kontrabass
23.04. DRESDEN: Indigo Masala - Sitar, Akkordeon, Percussion, Vocal
28.04. GB - LONDON: Tarun Bhattacharya - Santoor, Ronu Majumdar - Bansuri
28.04. NL - MIDDENBEEMSTER: Joel Eisenkramer - Slide Guitar, Kees van Boxtel - Bansuri
28.04. DÜSSELDORF: Jarry Singla & Eastern Flowers - Piano, South-Indian Percussion, Double-Bass
29.04. STUTTGART / OSTFILDERN-NELLINGEN: Shirin Sengupta - Khyal Vocal
30.04. GB - LONDON: Prateek Shrivastava - Sarod

Zurück