Rundbrief Januar / Februar / März 2021

Übersicht

1. Instrumente: Hybrid-Sarod, Female Tanpuras, Sonderangebote Sitar, Harmonium & Shrutibox
2. Harmonium Lehrmaterial: Videos & Bücher zur Mantra-Begleitung
3. 432 Hertz Stimmung: Hype oder Heilung?
4. Handwerk & Kunst in Bhakti-Musik (6) – Musikalische Kompetenz
5. Kurz notiert: Ratgeber Harmoniumkauf, Dhrupad of the Dagars, Stipendien indische Musik
6. Wie geht eigentlich (indische) Musik? (25) – Universelle Sehnsucht
7. Workshops & Konzerte

 


1. Instrumente: Hybrid-Sarod, Female Tanpuras, Sonderangebote Sitar, Harmonium & Shrutibox
- Neu im Sortiment -


- Dorod Kanailal & Sons (7/8 Hybrid Sarod) – 789 €

DorodDie Dorod hat Kompaktheit, einfachen runden Korpus und verzierten Wirbelkasten von der bengalischen Dotar. Die vier Melodiesaiten geben die selben Intervalle wie bei der Sarod. Hochwertiges bundloses Metallgriffbrett und sehr gutes Sustain erlauben Intonation und Gleitbewegungen wie auf der Sarod. Zwei Rhythmussaiten ermöglichen prägnante Begleitmuster. Ohne Resonanzsaiten. Bestens geeignet zum Lernen für Kinder, als Reise-Sarod oder für etwas höhere Stimmung auf D.
Weitere Infos & Fotos zur Dorod Kanailal & Sons

 

- P. & Brothers Female Hybrid Tanpura - 689 €

p.&Brothers Female Hybrid TanpuraDie Female Hybrid Tanpura von P. & Brothers hat die traditionelle Bauform mit Kürbisresonator, ist aber mit 110 cm nur so lang wie eine typische Instrumental Tanpura. Das edle Markeninstrument bietet hochwertige Material- und Verarbeitungsqualität und den ausgewogenen, runden, tragenden und obertonreichen Klang einer guten weiblichen Tanpura mit Standardgrundton G bis A. Wunderbar für unterwegs!
Weitere Infos, Fotos & Klangprobe zur P. & Brothers Female Hybrid Tanpura.

 

- Monoj Kumar Sardar Female Flatback Tanpura - 690 €

Monoj Kumar Sardar Flatback TanpuraDie Female Flatback Tanpura von Monoj Kumar Sardar ist ideal für alle, die eine besonders kompakte und robuste weibliche Tanpura suchen. Die Vollholzbauweise macht sie sowohl handlicher als auch wesentlich stabiler als eine Tanpura mit großem Kürbiskorpus. Ihr Klang ist genauso rund, tragend, obertonreich und differenziert wie bei einer traditionell geformten Monoj Kumar Sardar Tanpura. Material- und Verarbeitungsqualität lassen keine Wünsche offen. Standardgrundton F# bis G#.
Weitere Infos, Fotos & Klangprobe zur Monoj Kumar Sardar Female Flatback Tanpura



- Sonderangebote Sitar
Sitar made in India – Einfachste Qualität 190 € 
Sitar Bharat Music House – Reich verziertes Einsteiger Modell 590 € 
Sitar Vilayat Khani - mit Ravi Shankar Stil Besaitung, inkl. FG Koffer 789 € 
Naeem Sitarmaker Studio Sitar – Profi-Qualität, inkl. FG Koffer 1185 € 

- Sonderangebote Harmonium
Harmonium Pakrashi Maestro – Profiharmonium mit Dreifachzungen 789 € 
Harmonium Pakrashi Premium Coupler – Profiharmonium mit Coupler 589 € 

- Sonderangebote Shrutibox
- Shrutibox Bina klein 129 € 
- Shrutibox Bina groß 179 € 

Weitere Infos, Fotos & Übersicht zu allen Sonderangeboten.


2. Harmonium Lehrmaterial: eBücher mit Videos zur Mantra-Begleitung
- Neu im Sortiment -


 

* Alice Radha: 49 Mantras für Harmonium-Anfänger - eBook mit Texten, Akkorden & Videolinks mit Harmonium & Gesang zu 49 Mantras aus verschiedenen Traditionen.

CovidnewsMit den fünf Akkorden C-Dur, D-Moll, F-Dur, G-Dur und A-Moll kannst du alle 49 Mantras in dieser Sammlung begleiten - ideal für Einsteiger*innen! Für manche Mantras brauchst du alle fünf Akkorde, aber es gibt auch viele Mantras mit weniger Akkorden. Und damit es nicht gleich zu schwierig wird, werden nur die weißen Tasten gespielt. Die fünf Akkorde werden ausführlich vorgestellt: Du findest Fingersätze, die verschiedenen Akkordstellungen, und zu jedem Akkord gibt es ein Video zum Anhören- und Anschauen sowie Fotos mit genauer Beschriftung.

Die 49 Mantras und Chants kommen aus einer Fülle verschiedener Traditionen. Zu jedem gibt es im eBook den Text, darüber die Akkordsymbole, und dazu für jeden Akkord die verwendeten Töne und die zum Spielen verwendeten Finger. Außerdem einen Videolink zu einem kurzen YouTube-Film, in dem du das Mantra gesungen hörst, kurze Hinweise zum Spielen bekommst und mit Blick auf eine Harmoniumtastatur genau sehen kannst, welche Tasten gedrückt und welche Finger dafür benutzt werden. eBook heißt, dass du bei Kauf eine pdf-Datei als eMail-Anhang zugeschickt bekommst. Wenn du die Datei auf Handy, Tablet oder Rechner öffnest, kommst du mit Klick auf die Links direkt zu den Videos. Natürlich kannst du dir das eBook auch auf Papier ausdrucken.
eBook in pdf Format, 51 Seiten, 36,00 €, versandkostenfrei.

Weitere Details & Bestellung zum eBook.

 

* Alice Radha: 108 Mantras - eBook mit Texten, Akkorden & Videolinks mit Harmonium & Gesang zu 108 Mantras aus verschiedenen Traditionen.

CovidnewsEine wunderbare Fundgrube für alle, die ihr Repertoire erweitern möchten. Die 108 Mantras und Chants kommen aus einer Fülle verschiedener Traditionen. Zu jedem gibt es im eBook den Text und darüber die Akkordsymbole, und dazu bei 15 Mantras für jeden Akkord die verwendeten Töne und die zum Spielen verwendeten Finger. Außerdem zu jedem Mantra einen Videolink zu einem kurzen YouTube-Film, in dem du das Mantra gesungen hörst, kurze Hinweise zum Spielen bekommst und mit Blick auf eine Harmoniumtastatur genau sehen kannst, welche Tasten gedrückt und welche Finger dafür benutzt werden.

Bei 40 Mantras ist deren Nummer im YogaVidya-Kirtanheft angegeben und 30 Mantratexte stehen in diakritischer Sanskrit-Schriftweise. Abgerundet wird das Buch durch eine Übersichtstabelle mit allen möglichen Dur- und Molldreiklängen in Grundstellung und erster und zweiter Umkehrung – insgesamt 72 Akkorde. eBook heißt, dass du bei Kauf eine pdf-Datei als eMail-Anhang zugeschickt bekommst. Wenn du die Datei auf Handy, Tablet oder Rechner öffnest, kommst du mit Klick auf die Links direkt zu den Videos. Natürlich kannst du dir das eBook auch auf Papier ausdrucken.

eBook in pdf Format, 67 Seiten, 36,00 €, versandkostenfrei.

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3. 432 Hertz Stimmung: Hype oder Heilung?
- Hintergrundsfeature von Yogendra -


 

432-440 Hz432 Schwingungen pro Sekunde – in den letzten Jahren mehren sich Stimmen, wonach genau diese Frequenz eine Vielzahl wunderbarer Wirkungen auf den Menschen habe. Sie soll heilen, entspannen, die Stimmung aufhellen, das Herz öffnen, innere Entwicklung fördern, Blockaden lösen, mit Himmel und Erde verbinden, Körper und Seele in Einklang bringen, mit dem menschlichen Körper in Resonanz gehen, gesunden Zellstoffwechsel fördern, die Gehirnhäften synchronisieren und die DNA harmonisieren. Die angebotenen Erklärungen dafür reichen vom Pulsieren der Erde in der Schumann-Resonanz von 8 Hertz, über die Umlaufzeit der Erde um die Sonne mit einer oktavierten Frequenz von 136,1 Hertz, die Behauptung Mozart und Verdi hätten in 432 Hertz komponiert, Erkenntnisse von Rudolf Steiner und die vermeintliche  Wahrnehmungsgrenze des menschlichen Ohres bei 16 Hertz, bis hin zu uraltem Wissen der Hebräer, Ägypter, Sumerer und Inder (die ihre Sitars angeblich schon immer auf den Erdenton Cis mit 136,1 Hertz stimmen würden). Was ist da los?

Ravi ShankarFangen wir bei den Indern an. Der Irrglaube an einen universellen indischen Grundton Cis dürfte auf Hans Cousto zurückgehen. Angeregt von einer „Vision auf Pilzen“ hatte Cousto 1979 in „Farbton, Tonfarbe und die Kosmische Oktave“ erstmals Planetendrehungen und -umlaufzeiten als extrem langsame Schwingungen verstanden, die durch mehrfache Oktavierung / Verdoppelung in hörbare Tonfrequenzen umgerechnet werden können. Für den Erden-Jahreston kam er auf 136,1 Hertz (und lag damit etwas tiefer als das Cis, das sich bei A mit 440 Hertz ergibt). Dieses etwas tiefere Cis sei der Grundton indischer Musik, schrieb Cousto. In einem Interview von 2017 erzählt er, wie er darauf gekommen ist: "Ich habe zu der Zeit zufällig ein Buch von Ravi Shankar gelesen, My Music My Life, und da beschreibt er genau, dass das indische Cis ein bisschen tiefer gestimmt ist als unser europäisches Cis, das genau dies der Grundton ›Sa‹ sei." Leider hat Cousto wohl nicht sehr gründlich gelesen. Ravi Shankar schreibt nämlich im ersten Abschnitt von „My Music, My Life“: „SA itself does not have a fixed pitch like middle C in the Western scale. It corresponds more accurately to what the Westerners call the moveable DO.“ Und im vierten Abschnitt sagt er zur Stimmung von Sitars: „Depending on the size and strength of the instrument, the SA may vary anywhere from B natural to D natural.“ Der damals sehr bekannte Musikjournalist Joachim-Ernst Berendt wiederum hat Coustos frei erfundene Behauptung vom tieferen Cis als Grundton indischer Musik 1983 in seinen Bestseller „Nada Brahma – Die Welt ist Klang“ übernommen - und damit enorm zur Legendenbildung beigetragen.

Fakt ist: Die klassische indische Musiktradition kennt zwar genau definierte Intervallverhältnisse,  aber keinen absolut definierten Grundtonmit einer bestimmten Frequenz. Der Grundton SA wird nach Stimmlage oder Beschaffenheit des Instruments frei von der jeweiligen Solist*in festgelegt. Alle Begleitmusiker*innen stimmen auf das individuell festgelegte SA. Und alle weiteren Töne definieren sich in Relation dazu. Das war auch in Europa jahrhundertelang gängige Praxis. Es gab nämlich schlicht keine Möglichkeit, Frequenzen exakt zu messen und festzuhalten. Beim Singen schwankt die Tonhöhe abhängig von Tageszeit und Tagesform, Saiteninstrumente reagieren auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit, Blasinstrumente verändern die Tonhöhe je nach Ansatz, und selbst die schon seit dem Mittelalter gebräulichen Orgeln verändern ihre Tonhöhe im Lauf der Zeit. Es ging lange nicht um eine exakt bestimmte Frequenz des Grundtons, sondern um den guten Zusammenklang eines konkreten Ensembles.

Erst mit Erfindung der Stimmgabel 1711 wurde es möglich, immer auf den selben genau definierten Ton zu stimmen – was das Zusammenspiel in den immer größer werdenden Ensembles sehr erleichterte. In verschiedenen Regionen und Musikstilen wurden aber weiter sehr unterschiedliche Stimmtöne verwendet. Dank historischer Stimmgabeln wissen wir, dass der Stimmton A gegen Ende des 18. Jahrhunderts etwa zwischen 400 und 450 Hertz lag. Erst im 19. Jahrhundert wurden (mit dem Erstarken der Nationalstaaten und zunehmender internationaler Verflechtung auch im Musikleben) verbindliche Standards für den Stimmton A definiert. Frankreich legte ihn gesetzlich auf 435 Hertz, während in Großbritannien erst 452 Hertz als Philharmonic Pitch angesetzt wurden und später 439 Hertz. 1939 schließlich vereinigte die Vorläuferin der heutigen Internationalen Organisation für Normung die verschiedenen Regelungen auf einen Standard von 440 Hertz. Diese Übereinkunft gilt bis heute und ist vor allem ein pragmatischer Kompromiss, der der Musikindustrie weltweit Kooperation und Vermarktung erleichtert. Sie ist aber für niemanden verbindlich. Klassische Sinfonieorchester spielen heute z.B. meist auf deutlich höheren Stimmtönen, während Ensembles für Alte Musik wesentlich tiefere historische Stimmungen verwenden. Und in der indischen Klassik stimmen nach wie vor alle, wie es ihnen gerade richtig erscheint.

432 versus 440 Hz tuningDer kurze Blick in die Geschichte und nach Indien zeigt, dass Menschen immer und überall musikalische  Klänge gesucht und gefunden haben, die so beglückend waren, dass sie ihnen ihr Leben gewidmet haben. Auf wieviel Hertz der Grundton geschwungen hat, scheint dabei keine wesentliche Rolle gespielt zu haben. Das Wunderbare an Musik ist ja nicht die Hertzzahl des Grundtons, sondern es sind die Klangfarben von Stimmen und Instrumenten, die Rhythmen, Melodien und Harmonien, ihre Verbindung mit Worten, ihre Entfaltung in Raum und Zeit, das Mitschwingen unserer Körper, das Berührtwerden unserer Seelen, das Gefühl von Freiheit und Transzendenz, das sie vermittelt. Wer glaubt, dass 432 Hertz die allein heilende und selig machende Grundschwingung von allem sei, sitzt einem womöglich kurzlebigen Hype auf und verkennt die unendliche Vielschichtigkeit von Musik. Wer aber das Wohlbefinden gesteigert fühlt durch Töne, die auf 432 Hertz gestimmt sind, möge das nach Herzenslust genießen. Es lebe die Vielfalt!

Alle Saiteninstrumente und Trommeln bei India Instruments lassen sich flexibel auf 432 Hertz, 440 Hertz oder andere gewünschte Referenztöne stimmen. Harmoniums oder Shrutiboxen lassen sich aber nur schwer umstimmen – bei deren Kauf gilt es deshalb, eine Entscheidung zu treffen. Die wenigen indischen Hersteller von Harmoniumzungen produzieren seit dem späten 20. Jahrhundert nur noch Zungen nach 440 Hertz Standard. Andere Stimmungen sind wirtschaftlich vermutlich nicht lohnend. Deswegen liefern wir alle Harmoniums und Shrutiboxen standardmäßig mit Stimmung um 440 Hertz. Shrutiboxen bieten wir aber im regulären Sortiment auch in 432 Hertz an. Und Harmoniums in 432 Hertz sind als Sonderanfertigung ebenfalls lieferbar. Diese Instrumente werden von Hand durch Abschleifen der Tonzungen an ihrer Basis tiefer gestimmt. Die Ausdünnung macht die Zungen allerdings unstabiler und leichter verstimmbar. Zweiter Nachteil ist, dass Zusammenspiel nur noch mit sehr flexibel stimmbaren Instrumenten möglich ist, oder mit welchen die ebenfalls fest auf 432 Hertz gestimmt sind – und die sind selten. Drittens kann der Verkauf schwieriger werden, wenn das Instrument irgendwann nicht mehr gebraucht wird. Und schließlich ist auch zu bedenken, dass die genaue Schwingungszahl der metallenen Zungen von Temperatur und Anblasdruck beeinflusst wird. Harmoniums und Shrutiboxen, die wir bei 20 Grad Zimmertemperatur und moderatem Anblasdruck auf 432 Hertz engestellt haben, klingen tiefer wenn es erheblich wärmer ist und sie mit hohem Druck gespielt werden – und höher in kalter Umgebung. Wir empfehlen deshalb den Kauf von Harmoniums und Shrutiboxen in 432 Hertz
nur nach reiflicher Überlegung. Auf Wunsch beraten wir gern dazu.

Interview mit Hans Cousto.



4. Handwerk & Kunst in Bhakti-Musik (6) – Musikalische Kompetenz
- Beitrag von Yogendra -


MusiktheorieGemeinsames Singen von Mantras ist Teil von Bhakti-Yoga, dem indischen Weg der Hingabe. Bhakti-Musik gibt es heute hierzulande in Konzerten, auf Festivals, im Internet und auf CDs. Einige Bhakti-Musiker*innen sind weltbekannte Stars und viele andere eifern ihnen nach. Ist dafür ein bestimmtes musikalisches Handwerkszeug nötig? Ist Bhakti-Musik auch künstlerischer Ausdruck? Zwischen September 2017 und August 2018 haben sich Bhakti-Musiker*innen in 5 Beiträgen zu Handwerk & Kunst in Bhakti-Musik geäußert. Mit etwas Abstand schließt jetzt Yogendra die Reihe ab. Er ist klassisch-indischer Sitarist, verfolgt die Entwicklung der Szene seit den 90er Jahren und hat Bhakti-Musiker*innen auf Konzerten und Festivals begleitet.

Aleah Gandharvika hat die Ausdrucksfreiheit gefeiert, Manish Vyas Respekt vor der Tradition eingefordert, Srikala die Kraft der Klangschwingung beschworen, Deva Premal & Miten die klare Intention in den Mittelpunkt gestellt und Sundaram einen sorgfältigen Umgang mit Tradition betont. All das ist richtig und wichtig. Aber etwas ganz Entscheidendes ist in den bisherigen Beiträgen zu kurz gekommen. Etwas so offensichtliches, dass es vielleicht unnötig schien, darüber zu reden: Bhakti-Musik ist nicht nur Bhakti sondern ebenso sehr auch Musik. Und Musik braucht musikalische Kompetenz. Ohne musikalische Kompetenz kann niemand erfolgreich Singkreise leiten, Workshops und Konzerte geben, komponieren und Aufnahmen produzieren.

Bhaktifest 2021Bhakti-Musik ist zwar grundsätzlich eher schlicht angelegt; Melodien, Rhythmen und Texte müssen einfach genug sein, um zum Eintauchen und Mitsingen einzuladen. Und die einzelnen Stücke sind meist repetitiv und weiter ausgedehnt als das typische Songformat. Aber langweilen soll Bhakti-Musik natürlich nicht – im Gegenteil. Nötig ist deshalb ein kunstvoller Umgang mit suggestiven Klangfarben, um die gewünschten Atmosphären zu kreieren und die Gefühlsebene anzusprechen.
Und während Melodie und Text meist gleich bleiben, werden die Stücke im Verlauf oft in mehreren Stufen schneller und dynamischer. Diese klassische Steigerungsdramaturgie animiert die Teilnehmenden, nimmt sie mit, und erlaubt durch die immer weiter verdichtende Intensität den Aufbau langer Spannungsbögen. Die Teilnehmenden können loslassen und sich ganz dem befreienden Erleben hingeben – wie Nadine Webering es im vorigen Newsletter wunderbar beschrieben hat. Um solches Erleben zu ermöglichen, brauchen Bhakti-Musiker*innen zwar keine atemberaubende Virtuosität, wohl aber ein hohes Maß an Kompetenz.

Tatsächlich sind viele Bhakti-Musiker*innen vor ihrer Bhakti-Karriere durch tiefe musikalische Lernprozesse gegangen. Deva Premal hatte als Kind Unterricht in Gesang, Geige und Klavier, Sundaram ist studierter klassischer Sänger, Manish Vyas lernte von klein auf klassische indische Musik, Satyaa (Satyaa & Pari) studierte Klavier, Snatam Kaur spielte als Kind mit ihrer Mutter zusammen Kirtans in Sikh-Tempeln, Vijay Krishna (Kirtaniyas) wuchs als Sohn eines Toningenieurs umgeben von Musik auf und lernte als Jugendlicher in Indien Gesang und Percussion. Miten, Krishna Das, Jai Uttal und Dave Stringer waren viele Jahre professionell im Musikbusiness unterwegs bevor sie als Bhakti-Musiker bekannt wurden. Und Markus Sieber veröffentlicht, neben der Arbeit im Duo Mirabai Ceiba, unter dem Namen Aukai weiter eigene Musik.

Musikalische Kompetenz ist eine Verbindung aus Können und Wissen. Können braucht vor allem Übung. Es entwickelt sich oft über viele Jahre und führt zu einem souveränen, differenzierten, flexiblen und spontanen Umgang mit Instrumenten und Stimmen. Wissen braucht Erfahrung. Es fließt in das instrumentale oder stimmliche Können ein, weist aber auch darüber hinaus. Dabei geht es um ein umfassenderes Verständnis musikalischer Phänomene: Um Intervalle, Tonleitern, Melodik, Rhythmik und Harmonik als Grundlagen fast aller Musik; aber ebenso auch um verschiedene Stilistiken und Traditionen, um alte Stimmungen und neueste Audiotechnik. Nur wenn Komposition und Arrangement ansprechend wirken, fühlen sich die Teilnehmenden eingeladen. Nur wenn sauber gestimmt und intoniert wird, entsteht die gewünschte Klangschönheit. Nur wenn der Rhythmus klar und kraftvoll artikuliert ist, entsteht ein pulsierender, tragender Groove. Nur wenn die Musiker*innen feinfühlig aufeinander und auf die Teilnehmenden eingehen, entsteht das beglückende Erlebnis eines großen Verbundenseins miteinander und mit der Welt, das Menschen in Bhakti-Musik suchen. Was kann schöner sein?

 


5. Kurz notiert: Ratgeber Harmoniumkauf, Dhrupad of the Dagars, Stipendien indische Musik
- Szene Info -


Ratgeber Harmoniumkauf – Infos & Orientierungshilfe

Harmonium Sarang Kirtan Classic2017/18 gab es im Newsletter eine 6-teilige Reihe mit umfangreichen Tipps und Infos zum Thema Harmoniumkauf. Die haben wir jetzt zusammengefasst, aktualisiert und auf unsere Website gestellt. Der Ratgeber Harmoniumkauf behandelt die Themen Klang & Spielgefühl, musikalische Ausstattung (Zungensätze, Register, Tonumfang, Bordune, Oktavkoppler, Scale-Changer), mechanische Ausstattung (Tasten, Balg & Holz), Tonhaltefähigkeit, Ansprache & Lautstärke, Reisetauglichkeit, Stimmung und Bezugsquellen. Wir möchten mit den Texten und Bildern einen Überblick geben, oft gestellte Fragen beantworten, Grundwissen vermitteln und Orientierung beim Kauf eines Harmoniums bieten. Feedback dazu ist herzlich willkommen - bitte an music@india-instruments.com.

Zum Ratgeber Harmoniumkauf.


Dhrupad of the Dagars - Conceptual Foundations and Contemporary Questions

Cover Dhrupad of the DagarsSchon lange war die Veröffentlichung angekündigt – jetzt ist das Buch da: Dhrupad of the Dagars dürfte die wohl umfangreichste und fundierteste Studie zur Musikerfamilie der Dagars sein, die bisher veröffentlicht worden ist. Wie niemand sonst haben die Dagars dazu beigetragen, den alten Dhrupad-Stil im 20. Jahrhundert vor dem Aussterben zu bewahren, ihn lebendig weiter zu tradieren und ihm größere öffentliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu verschaffen. Der Autor Ashish Sankrityayan, selbst Dhrupadsänger, Schüler der Dagars, und seit 2011 Direktor der staatlichen Dhrupad Kendra Bhopal, verbindet Insiderwissen, eigene Erfahrungen als Lehrer und Performer und musikwissenschaftliche Forschung zu einer opulenten Gesamtschau. 836 Seiten im Großformat und über 600 s/w Fotos machen das Buch nicht nur zu einem einzigartigen Wissensfundus, sondern auch zu einer Augenweide. Wer Dhrupad nicht nur genießen oder praktizieren sondern auch verstehen möchte, dürfte Dhrupad of the Dagars mit Freude begrüßen.
Fotos mit Inhaltsangabe und Auszügen.

ISBN 978-81-215-1301-2, Munshiram Manoharlal, Delhi 2020, erhältlich auch direkt beim Autor: sankrityayan@gmail.com


Stipendien zur Erforschung indischer Musik – Indian Council for Cultural Relations

ICCRR LogoDer 1950 gegründete staatliche Indian Council for Cultural Relations (ICCR) ist in Europa jahrelang vor allem durch die Unterstützung von Touren klassisch indischer Musik- und Tanzensembles in Erscheinung getreten. Angesichts der Corona-Pandemie pausieren diese Aktivitäten. Vielleicht deshalb engagiert sich der ICCR jetzt auf einem neuen Feld: Mit zwei Stipendien zur Erforschung indischer Musik. Die Forschungsstipendien werden an bedeutende ausländische Musiker, Künstler oder Gelehrte vergeben, die mindestens 10 Jahre praktische oder wissenschaftliche Erfahrung haben und über 35 Jahre alt sind. Sie werden einer einverständlich ausgewählten kulturellen oder wissenschaftlichen Institution in Indien angegliedert, haben eine Laufzeit von 3 - 12 Monaten, und umfassen eine monatliche Bezahlung und die Flugreise.

Pandit Bhimsen Joshi Fellowship for Music.

Ustad Ghulam Mustafa Khan Fellowship for Music.

 


6. Wie geht eigentlich (indische) Musik? (25) – Universelle Sehnsucht
- Zitat von Tenzin Gyatso, XIV. Dalai Lama -


In der Reihe „Wie geht eigentlich (indische) Musik?“ bringen wir seit Frühjahr 2016 assoziative, prägnante Anregungen von Künstlern und Intellektuellen.

Unter den vielen Formen, in denen der menschliche Geist versucht hat, seine innersten Sehnsüchte und Wahrnehmungen auszudrücken, ist die Musik vielleicht die universellste. Sie symbolisiert die Sehnsucht nach Harmonie, mit sich selbst und mit anderen, mit der Natur und mit dem Spirituellen und dem Heiligen in uns und um uns herum. Es gibt etwas in der Musik, das transzendiert und vereinigt. Das zeigt sich in der sakralen Musik jeder Gemeinschaft - Musik, die die universelle Sehnsucht ausdrückt, die von Menschen auf der ganzen Welt geteilt wird.
Zitat aus: Music Sacra International, Programmheft zum Festival 2. - 9. Juni 2006, Grußwort S.3.

 


7. Workshops & Konzerte
- Szene-Info -


Noch immer können Konzerte und Workshops mit körperlicher Anwesenheit wegen immer wieder geänderter Restriktionen aufgrund der Corona Pandemie nicht verlässlich geplant werden. Deswegen sind auch unsere Online-Kalender weiter im Lockdown: Wir stellen derzeit keine Veranstaltungsdaten ein - der Aufwand für Recherche und ständige Aktualisierungen wäre einfach zu groß. Wir bitten dafür um Verständnis - und hoffen sehr, dass Konzerte und Workshops bald wieder verlässlich körperlich stattfinden können!

 

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