Rundbrief November / Dezember 2012

Inhalt

1. Harmonium Paloma Companion - Preissenkung
2. Weihnachts-Special - Indigo Masala & Ragas
3. Konzertleben in Kalkutta (5/5) - Fusion im Roxy
4. Die jungen Meister (5/8) - Omkar Dadarkar
5. Nachruf Mohammad Sayeed Khan
6. My India Live - Video-Blog
7. Konzertkalender - Dezember / Januar
8. Indische Klassik (6/7) - Instrumente: Magie des Klangs

 


1. Harmonium Paloma Companion - Preissenkung
- Firmen-Info -


Gute Nachricht für alle Harmoniumfreunde: Wir haben den Preis für das Modell Paloma Companion D 27/2 spürbar gesenkt! Das Paloma Companion kostet jetzt nur noch 490,- € statt bisher 540,- €! Mit seinem geringen Gewicht und sparsamen Abmessungen ist es der perfekte Begleiter für Mantras und Kirtans unterwegs und zu Hause - leicht, kompakt, robust, angenehm in der Handhabung und doch ein vollwertiges Harmonium mit einem warmen, runden Klang. Zum bequemen und sicheren Tragen ist eine leichte gepolsterte Tasche im Preis inbegriffen.

Das Paloma Companion ist ideal für alle, die Wert auf höchste Qualität in Material, Verarbeitung und Klang legen, denen aber das Paloma Premium und das Paloma Compactina zu groß, zu schwer oder zu teuer ist. Es eignet sich sowohl als Hauptinstrument als auch als mobiles Zweitharmonium für unterwegs. Die 27 Töne von g bis a reichen über 2 1/4 Oktaven und decken damit den Tonumfang fast aller gebräuchlichen Mantras und Kirtans ab. Hochwertige Doppelzungen sorgen für gute Ansprache und einen warmen, vollen Klang. Die Paloma-typischen seidenmatten Oberflächen in Naturholzoptik schmeicheln Auge und Hand gleichermaßen.

Fotos und detailliertere Infos

 


2. Weihnachts-Special - Indigo Masala & Ragas
- Sonderangebot -


Zur weihnachtlichen Geschenkezeit bieten wir einige CDs zum reduzierten Sonderpreis an. Mit einem dieser Titel können Sie Ihren Lieben ganz bestimmt eine Freude machen - oder sich selbst ein Schnäppchen sichern!

* INDIGO MASALA: BIG GODS & LITTLE ANIMALS - 12,- Euro
Indisch inspirierte Weltmusik mit abwechslungsreichen Kompositionen für Sitar, Cello, Tabla, Percussion und Gesang. Das Debut-Album des preisgekrönten Trios Indigo Masala wurde bei Erscheinen 2006 von der Fachpresse als "vermutlich die heißeste Platte des Jahres" bezeichnet. Mit seinem ansprechenden akustischen Klangbild ist das Album perfekt, um auch Nicht-Indienfans zu begeistern.
Hörproben

* INDIGO MASALA: LEGENDS OF PANIPUR - 12,- Euro
Auf dieser abenteuerlustigen und ungemein vielfältigen Reise ins imaginäre Fürstentum Panipur sind neben Sitar, Tabla, Cello, Ghatam und Gesang auch russisches Knopfakkordeon, Tin Whistle und eine Fülle verschiedenster Percussion zu hören. Leidenschaftlich, energiegeladen, feinfühlig, meditativ und witzig - und manchmal all das zugleich. Weltmusik für das ganze Sein.
Hörproben

* YOGENDRA: PEACE, LOVE & JOY - THREE RAGAS FOR SITAR & TABLA - 12,- Euro
Der ausgewogen runde Klang, die klare, gefühlvolle Linienführung, die ruhige Grundstimmung und die Auswahl leicht zugänglicher Ragas machen diese Sitar-CD zu einer wohltuenden Klangreise nach Indien - und zum wunderbaren Einstieg für Neulinge in der indischen Klassik. Die einfühlsame Tablabegleitung spielt Ashis Paul.
Hörproben

* TEJENDRA NARAYAN MAZUMDAR: RAGA AHIR BHAIRAV - 12,- Euro
Ein Genuß für alle Freunde indischer Klassik: Tejendra Majumdar, der wohl größte Sarodvirtuose seiner Generation, gibt eine ausführliche Interpretation des Morgenragas Ahir Bhairav mit solo Alap, Jor, Jhala und dann dem üblichen Gat in langsamem Tintal und abschließend einem außergewöhnlichen schnellen Gat und Jhala in Jhaptal. Der großartige Tablabegleiter ist Shubhankar Banerjee. Ein Juwel!

Und das beste zum Schluss: Zwei CDs aus dieser Auswahl sind für 22,- Euro zu haben, drei für 31,50 und alle vier für 40,- Euro! Diese Sonderpreise gelten für alle Bestellungen bis einschließlich 24.12.2012. übrigens: auf den großen Downloadportalen mit den Hörproben gibt es natürlich auch die Musik - allerdings ohne die aufwändig gestalteten Booklets, die eine CD erst zu einem richtig schönen Geschenk machen...

Übersicht über unser komplettes Medienangebot.

 

 


3. Konzertleben in Kalkutta (5/5) - Fusion im Roxy
- Hintergrundreportage von Yogendra -


Im Februar 2012 hatte Yogendra Gelegenheit, das klassische Konzertleben in der bengalischen Musikmetropole Kalkutta zu erleben. In einer fünfteiligen Reihe berichtet er von den vielen Facetten der aktuellen Szene.

Nach einem privaten All-Night-Hauskonzert und Konzerten beim Liebhaberzirkel Bhawanipur Sangeet Sammilani, der renommierten Sangeet Research Academy und dem riesigen KMDA Garfa Festival habe ich einiges von der klassisch-indischen Musikszene in Kalkutta gesehen. Zeit für eine ganz andere Erfahrung. Die beschert mir eine Einladung von Star-Sitarist Purbayan Chatterjee. In der angesagten Roxy Bar will er mit einer Live-Performance sein neues Album Hemisphere vorstellen, eine Fusion-Platte, wie mir gesagt.

Das Roxy liegt in der Park Street mitten im Stadtzentrum, im Erdgeschoss des noblen Park Hotels. Ein stylisher Laden, der mit 56 verschiedenen Weinsorten aus aller Welt und dem Slogan "Unwiderstehlich sexy - einladend Roxy!" wirbt und so ähnlich wohl auch in jeder anderen Metropole irgendwo auf diesem Planeten stehen könnte. Ich komme pünktlich, aber auf den zwei Etagen des Roxy, auf denen gut über 100 Gäste Platz hätten, verlieren sich ein bis zwei Dutzend Leute. Das Programm starte später, heißt es, man warte noch auf einige VIPs. Erst jetzt wird mir klar, dass ich nicht auf einem Konzert bin, sondern auf einem für die Medien inszenierten CD-Release-Event, zu dem nur geladene Gäste Zutritt haben. Die Wartezeit kann man sich mit kostenlosen Drinks und Snacks vertreiben, mit Smalltalk mit Stars und Sternchen der aufgelaufenen bengalischen Celebrity-Szene, mit den anwesenden Musikern und deren Schülern aus Japan oder indem man sich spaßeshalber von der ebenfalls erschienenen Glamourpresse interviewen lässt. Nach ein- oder zweistündiger Zeittotschlägerei versammelt sich die illustre kleine Gesellschaft schließlich stehend mit Drinks in der Hand vor der Bühne. Tablavirtuose Tanmoy Bose, Strippenzieher in der kalkutteraner Musikszene, durchschneidet feierlich ein rotes Band und hält eine Hemisphere-CD in die Kameras, und nachdem er und ein paar andere die Platte gelobt und betont haben, wie großartig es sei, heute hier zu sein, startet endlich die Musik.

Die Band für diesen Abend besteht aus Anubrata Chatterjee, Anindo Chatterjees Sohn, an Tabla und Percussion, einem namentlich nicht vorgestellten Keyboarder, einem ebenfalls anonymen Bassisten, "Marc aus Amerika" am Drumset und natürlich Purbayan mit seiner selbst entwickelten E-Sitar und Vocal. Stilgerecht präsentieren sich die Musiker hier nicht in traditionellen Kurtas sondern cool leger in Jeans und Hemden. Die Lautstärke ist zwar hoch, aber noch unterhalb der Schmerzschwelle - in Kalkutta leider keine Sebstverständlichkeit. Poppig und mit viel Elektronik kommt die Musik daher, aber doch nach alter Väter Sitte live handgemacht. Trotz durchaus spürbarer Spielfreude der Musiker mit ausgiebigen Soli, betörenden Sitar-Licks und spontaner Einbindung von Stargast Tanmoy Bose kommt aber nie wirklich Stimmung auf. Zu willkürlich und beliebig ist der Stilmix von Hemisphere, der von afrikanischen, keltischen, indischen und jazzigen Elementen bis zu einem Cover von Stings "Fragile" reicht. Künstlerisch ist das Ergebnis einfach zu mager. Bezeichnend, dass die CD nur sieben Stücke mit einer Gesamtspielzeit von unter 30 Minuten hat. Und zu deutlich ist auch, dass es im Roxy nicht um das Musikerlebnis geht, sondern um eine mediale Inszenierung.

Schade drum. Mit seinem klassischen Ensemble Shastriya Syndicate und seinem Fusion-Album Stringstruck hatte Purbayan in den letzten Jahren künstlerisch ambitionierte Projekte realisiert und damit auch kommerziell große Erfolge gefeiert. Und seine Offenheit und kreative Neugier lassen ihn laufend nach neuen musikalischen Möglichkeiten suchen. Aber mit Erfolg und Bekanntheit steigt wohl auch der Produktionsdruck von Musikindustrie und Öffentlichkeit. Purbayans Vertrag mit dem indischen Medienkonzern Times Music über ein halbes Dutzend weiterer Konzeptalben (darunter einem mit westlichen Klassik-Hits auf Sitar) lässt nicht unbedingt Gutes erwarten.

Den Spagat zwischen einer Identität als traditioneller Interpret klassischer Ragas einerseits und kommerziellen Produktionen mit Bollywood, Pop, Rock und Fusion andererseits versuchen heute immer mehr renommierte jüngere klassische Musiker. Die Verlockung, über die Raga-Nische hinaus eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen und dabei auch richtig Geld zu verdienen, ist offenbar groß. Ganz neu sind solche Grenzüberschreitungen natürlich nicht. Ravi Shankar verdankt seinen Weltruhm wesentlich seinen Experimenten mit Film- und Orchestermusik und mit nicht-indischen Musikern. Und Künstler wie Hariprasad Chaurasia und Shivkumar Sharma haben von ihrer Arbeit für die indische Filmindustrie in jeder Hinsicht profitiert. Aber mitunter scheint es, als ob die Kombination aus Beschleunigung und Kommerzialisierung einerseits und der unendlichen Fülle technischer Möglichkeiten in der digitalen Musikproduktion andererseits es den jungen indischen Musikern eher erschwert, wirklich kreativ zu werden und sich weiterzuentwickeln. Wenn Musik nur noch Showbusiness ist, bleiben die Kunst und die eigene Seele leicht auf der Strecke. Oder ist die Liaison mit der Unterhaltungsindustrie und der Flirt mit zahlungskräftigen Sponsoren aus der Wirtschaft heute schlicht eine Notwendigkeit, um auch der Raga-Tradition Öffentlichkeit und Gelder zukommen zu lassen, ohne die sie nicht überleben könnte? Die Zukunft wird es zeigen.

 


4. Die jungen Meister (5/8) - Omkar Dadarkar
- Hintergrundreportage von Arunabha Deb -


In der Erstausgabe der neuen indischen Musik-, Tanz- und Theaterzeitschrift Avantika schrieb der Musikjournalist Arunabha Deb im Januar 2012 über die neue Generation großartiger klassisch indischer Musiker im Alter zwischen 30 und 40. Wir bringen seinen Artikel mit einer Einführung und sieben Musikerportraits als Fortsetzungsreihe in acht Teilen.

Omkar Dadarkar (34), Kalkutta, Sänger der Gwalior, Agra und Jaipur Gharanas
Der einzige andere männliche Sänger, dessen Name heute neben Jayateerth Mevundi auftaucht, ist Omkar Dadarkar. Sein Gesangsstil ist völlig anders: als Schüler von Pandit Ulhas Kashalkar verschmilzt er in seinem Gesang Agra, Gwalior und Jaipur. Aber was das beeindruckte Publikum angeht ist er auf Augenhöhe mit Jayateerth. Für jeden jungen Musiker funktioniert es anders und Omkar ist sicherlich noch nicht so beschäftigt wie Jayateerth, aber wenn man die jüngsten Auftritte zum Maßstab nimmt, dann ist er nicht weit dahinter. Seine Interpretation von Miyanki Malhar in Kalkutta während des letzten Monsuns (bei der sein Guru in der ersten Reihe saß: immer eine nervenaufreibende Erfahrung) war nichts weniger als unvergesslich. Mit geschlossenen Augen wäre es unmöglich zu erkennen gewesen, dass hier ein aufstrebender Jungkünstler sang und kein Altmeister. Mit seinen Rufen in den höheren Oktaven, seinen Melodieläufe in überschallgeschwindigkeit und dem alles durchziehende Glanz seines Baritons behauptete er seinen Rang als einer der besten jungen Künstler im Land.

Seine Popularität scheint ihn nicht besonders zu stören. "Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Vorstellungen von Erfolg. Im Moment bin glücklich da zu sein, wo ich bin," sagt er. Zur Zeit ist Omkar Dadarkar Junior Guru bei der ITC Sangeet Research Academy in Kalkutta. Diese Stellung gibt ihm Zeit für seine Übungen und, noch wichtiger, erlaubt ihm große Nähe zu seinem Guru, der auch an der Akademie lehrt. Trotz der engen Beziehung zu seinem Guru hat Omkar es sorgfältig vermieden, ihn nachzuahmen. Ulhas Kashalkar ist heute einer der führenden Meister des Landes und in den letzten zehn Jahren hat das Publikum sowohl ihn als auch Omkar erlebt - da war es grundlegend wichtig für den Schüler, einen eigenen Stil zu entwickeln. Nachahmung hätte zwangsläufig zur Ablehnung durch das Publikum geführt; schließlich ist hinlänglich bekannt, dass niemand eine Kopie will so lange auch das Original noch zu haben ist.

 


5. Khyal Pioneer in Europa - Mohammad Sayeed Khan
- Nachruf von Yogendra -


Der große Khyal-Sänger Mohammad Sayeed Khan ist am 6. Oktober im Alter von 77 Jahren in Amsterdam verstorben. Er stammte aus einer alten Musikerfamilie in Mumbai und war ein Vertreter der Jaipur-Atrauli Gharana. Gelernt hatte er von Kindheit an von seinem Vater, dem Sarangi-Virtuosen Abdul Majid Khan, Schüler von Gharana-Gründer Alladiya Khan und Sarangi-Legende Bundu Khan. International bekannt wurde Mohammad Sayeed Khan in den 1960er und 70er Jahren auf weltweiten Tourneen und zahlreichen Schallplatten im Gesangsduett als Khan Bandhu mit seinem jüngeren Bruder Mohammad Rashid Khan. Nach Rashids frühem Tod ließ er sich über den Umweg Surinam in den 1980er Jahren mit seiner Familie in Amsterdam nieder. Dort lebte er bis zu seinem Tod als Lehrer und konzertierender Künstler und wurde so ein wichtiger Pionier indischer Musik in Europa.

Sein musikalisches Erbe wollte keines seiner Kinder antreten. Deshalb entschloss sich Mohammad Sayeed Khan 2007 nach einer Pilgerfahrt nach Mekka, mit der etablierten Tradition vieler Musikerfamilien zu brechen, wonach musikalisches Wissen als eifersüchtig gehütetes Geheimnis nur mündlich an sorgfältig ausgewählte Verwandte oder sehr enge Schüler weitergegeben wird. Statt seine gesammelten musikalischen Schätze mit ins Grab zu nehmen, präsentierte er sie 2009 in Buchform mit begleitender CD. 238 Khyal-Kompositionen in 115 Ragas aus seiner Familientradition machte er damit der Allgemeinheit zugänglich und bewahrte sie so vor dem Vergessen.

Eine kurze alte Plattenaufnahme der Khan-Brüder mit Raga Raatki Gunkali gibt es auf YouTube.



6. My India Live - Video Blog
- Medien-Info -


Seit mehreren Jahren lebt Carsten Wicke, deutschstümmiger Rudra-Vina-Spieler und Filmemacher (Music Masala), jetzt schon in Indien. Inzwischen ist er in Kalkutta ansässig und widmet sich dort vor allem der Mission, zum konzertierenden Rudra-Vina-Interpreten zu reifen. Daneben entwickelt er in Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern neue Rudra-Vinas, nicht zuletzt, um dem derzeitigen Mangel an Instrumentenbauern für Rudra-Vinas entgegenzuwirken.

Für neue Filmdokumentationen findet Carsten momentan zwar keine Zeit, er veröffentlicht aber seit kurzem einen Video-Blog. Die ursprünglich für den engeren Freundeskreis aufgenommenen Videos geben hautnahe Einblicke in das Leben in Kalkutta - aktuell mit Beiträgen zu den jüngst stattgefundenen großen Feierlichkeiten zu Ehren der Göttin Durga an Durga Puja, dem wichtigsten Feiertag in Bengalen, und zum Lichterfest Diwali, einem der populärsten Feiertage in ganz Indien. Daneben gibt es auch Gelegenheit, Carsten bei einem Rudra-Vina-Konzert zu erleben.

My India Live

 


7. Konzertkalender - Dezember / Januar
- Szene-Info -


In den Wintermonaten sind Konzerte mit klassisch indischer Musik in Europa rar, denn es ist Hauptsaison in Indien, und die meisten Künstler sind dort aktiv. Aber mit den Tourneen des paktistanischen Khyal-Sängers Shafqat Ali Khan und des Gitarrenvirtuosen Debashish Bhattacharya gibt es trotzdem auch echte Highlights. Ausführlichere Infos, Ort und Zeit sowie weitere Termine für 2013 wie immer auf unserem Konzertkalender.

1.12. CH - LUGANO: MANISHA GULYANI - Kathak-Tanz
2.12. F - PARIS: KALYAN MUKHERJEE - Sarod
2.12. TÜBINGEN: CAROLINE GEBERT-KHAN - Bharatnatyam & Mohiniyattam-Tanz
2.12. CH - ZÜRICH: SHAFQAT ALI KHAN - Khyal-Gesang
6.12. NL - AMSTERDAM: MADHUSHREE BHATTACHARYA & MAARTEN ORNSTEIN
7.12. BERLIN: INDIGO MASALA - Acoustic Asian World Fusion
8.12. NL - AMSTERDAM: DEBASHISH BHATTACHARYA & VAN OTTERLO QUARTET
8.12. BERLIN: IOANNA SRINIVASAN DANCE COMPANY - Kathak-Tanz
8.12. MOOS: KALYAN MUKHERJEE - Sarod
9.12. CH - BERN: SHAFQAT ALI KHAN - Khyal-Gesang
9.12. ENGEN / PFULLENDORF: KALYAN MUKHERJEE - Sarod
9.12. NL - UTRECHT: DEBASHISH BHATTACHARYA - Slide-Gitarren
10.12. BE - BRUXELLES: DEBASHISH BHATTACHARYA - Slide-Gitarren
10.12. CH - NEUCHÂTEL: SHAFQAT ALI KHAN - Khyal-Gesang

 


8. Indische Klassik (6/7) - Instrumente: Magie des Klangs
- Hintergrundinfo von Yogendra -


Die klassische indische Musiktradition und ihre Instrumente sind die Grundlage für die Arbeit von India Instruments. Aber was hat es mit dieser Tradition auf sich? In einer siebenteiligen Reihe von Yogendra bringen wir eine Einführung für Einsteiger.

Klassische indische Musik (6/7) - Instrumente: Magie des Klangs
Die Instrumente der klassischen indischen Musik haben eine ganz eigene unverwechselbare Klang-Magie. Besonders typisch sind ihr schillernder Obertonreichtum, der durch Brücken mit raffiniert geschliffener Wölbung und viele Resonanzsaiten entsteht, und die Fähigkeit, viele Facetten der menschlichen Stimme zu imitieren. Obwohl man indische Klassik auch auf Instrumenten wie Geige oder Saxofon spielen kann, kommen ihre Besonderheiten auf den in Indien selbst entstandenen Instrumenten besonders zur Geltung.

Tanpura - Symbol der Ewigkeit
Noch bevor der erste Ton eines Ragas erklingt, ist in klassischer indischer Musik fast immer ein feiner schimmernder Klangteppich zu hören, der während der ganzen Raga-Darbietung im Hintergrund unverändert weiterläuft. Er wird auf der Tanpura gespielt, einem der zugleich unbekanntesten und wichtigsten traditionellen Instrumente. Die Tanpura definiert mit ihrem immer gleich bleibenden Bordunklang den Grundton - sie ist das Fundament, auf dem der ganze filigrane Raga-Tempel aufbaut; die Leinwand, auf der das Raga-Gemälde gemalt wird; die Erde, auf der der Raga tanzt. Tanpuras haben meist vier bis fünf Saiten, die immer nur offen in gleich bleibendem Rhythmus gezupft werden. Der Anschlag erfolgt dabei so weich, dass die Schwingungen der einzelnen Saiten zu einem kontinuierlich schillernden Dauerklang zu verschmelzen scheinen. So symbolisiert die Tanpura den ewigen Urgrund des Seins, aus dem die gesamte (musikalische) Schöpfung hervorgeht. Da Tanpuras auf den jeweiligen Grundton von Sänger oder Instrument gestimmt werden müssen, gibt es sie in allen möglichen Größen und Formen. Typisch ist die Bauart mit großem getrockneten Kürbis als Resonanzkörper und daran angesetztem langen Hals aus Holz. Im Konzert spielen meist Schüler der Hauptkünstler die Tanpura.

Sitar - der Klang Indiens
Wohl kein anderes Instrument wird als so typisch indisch empfunden wie die Sitar. Vor allem durch den weltbekannten Sitarmeister Ravi Shankar ist ihr sirrender Klang heute der Inbegriff indischer Musik an sich. Sie ist ein technisch anspruchsvolles Soloinstrument mit meist 20 Saiten. Davon werden allerdings nur sieben als Spielsaiten verwendet. Die restlichen 13 werden nicht angeschlagen, sondern schwingen mit, wenn ihr Ton auf den Melodiesaiten gespielt wird. So sorgen diese Resonanzsaiten für eine Art eingebauten Halleffekt. ähnlich wie bei der Tanpura setzt am Kürbisresonator ein langer hölzerner Hals an, über den die Saiten laufen. Viele Sitars haben einen zusätzlichen zweiten Resonator oben am Hals. Quer über den Hals gebunden sind metallene Stege (Bünde), auf die man die Saiten runterdrückt, um die Tonhöhe zu verändern - ähnlich wie bei einer Gitarre. Man kann die Tonhöhen aber auch fließend verändern, indem man die auf den Bund gedrückte Saite seitlich wegzieht und so ihre Spannung erhöht. Mit dieser Technik lassen sich besonders gut die gleitenden Tonbewegungen der menschlichen Stimme nachempfinden - schließlich leitet sich die indische Klassik vom Gesang ab. Sie ist allerdings auch besonders schwierig zu beherrschen. Aber keine Angst - auf einer gut gestimmten Sitar können auch Anfänger schnell faszinierende typisch indische Klänge erzeugen!

Sarod - die unbekannte Exzellenz
Viel unbekannter als die Sitar ist hierzulande die Sarod - obwohl sie in Indien den gleichen hohen Status als Soloinstrument genießt. Ihr Klang ist runder und brillanter als bei der Sitar. Der Anschlag mit einem dicken Plektrum aus Kokosnuss erlaubt ein extrem dynamisches rhythmisches Spiel, das durch die Bespannung des Korpus mit einer Ziegenhaut eine sehr kraftvolle Lautstärke entfalten kann. Einzigartig sind auch die feinen melodischen Artikulationsmöglichkeiten: Die vier Melodiesaiten werden mit den Fingernägeln auf ein bundloses Griffbrett aus extrem glattem verchromtem Edelstahl gedrückt. Jede kleine Positionsänderung des Fingernagels verändert dabei die Tonhöhe - so ergeben sich durch Rutschen entlang der Saiten faszinierende Ausdrucksmöglichkeiten. Die Sarod ist ein Instrument, das unbedingt zu entdecken lohnt!

Vina - Königin der Instrumente
Das Wort Vina ist eigentlich ein Oberbegriff für verschiedene Saiteninstrumente. Am bekanntesten sind die Rudra-Vina in Nordindien und die Saraswati-Vina in Südindien. Die Rudra-Vina ist mehrere Jahrhunderte alt, galt lange Zeit als edelstes aller Instrumente und wird heute auch als eine der Vorformen der Sitar gesehen. Ihre zwei großen Kürbis-Korpusse sind an einem hölzernen Resonanzrohr befestigt, über das die Saiten laufen und an dem die Bünde sitzen. Die Rudra-Vina hat einen archaischen, majestätischen Charakter und ist heute leider fast ausgestorben. Sehr lebendig ist dagegen die Saraswati-Vina, wichtigstes Soloinstrument der karnatischen Musik und damit die Entsprechung zur nordindischen Sitar. Auch ihre Form mit einem kugeligen Korpus, langem Hals, Bünden, Wirbeln und zweitem oberen Resonator ähnelt der Sitar. Allerdings hat die Saraswati-Vina keine Resonanzsaiten und wird aus anderen Materialien gefertigt. Auch in Spieltechnik und musikalischem Repertoire unterscheidet sie sich deutlich von ihrer nordindischen Schwester.

Bansuri - Krishnas Verlockung
Die Bansuri ist eigentlich nichts weiter als ein einfaches Bambusrohr mit sechs bis sieben eingebrannten Grifflöchern und einem Anblasloch. Sie wird wie eine westliche Querflöte angeblasen und ist in der Mythologie das Instrument des Gottes Krishna - mit seiner kleinen, hoch klingenden Bansuri betörte er als junger Mann die Herzen der Kuhhirtinnen und lockte sie zu erotisch gefärbten Spielen. Jahrhundertelang galt die Bansuri wegen ihrer Einfachheit als reines Volksinstrument - zwar beliebt, aber in seinen Möglichkeiten sehr begrenzt. Erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts begannen Musiker, auch klassiche Ragas auf besonders großen, tief, warm und rund klingenden Bansuris zu spielen. Da die Bansuri keine Mechanik hat, müssen für diese großen Instrumente schwierige Griffe mit extrem gespreizten Fingern geübt werden. Auch die Anblastechnik hat sich durch die Verwendung als klassisches Soloinstrument sehr erweitert und erlaubt heute raffinierte rhythmische Variationen.

Santur - der Duft von Kashmir
Die Santur ist ursprünglich ein Volksmusikinstrument aus Kaschmir, der bergigen nördlichen Grenzregion zwischen Indien und Pakistan. Ihre bezaubernden, kristallklaren Klangkaskaden haben ihr aber inzwischen Fans in aller Welt gewonnen. Der Klangkörper ist ein trapezförmiger Holzkasten. Darüber sind quer insgesamt meist um die 90 Saiten gespannt, die über kleine Stege laufen. Je drei nebeneinander liegende Saiten werden auf den gleichen Ton gestimmt und immer zusammen angeschlagen. Zum Klingen bringt man sie mit zwei Holzschlägeln, die man rechts und links zwischen den Fingern hält. Die vorher gestimmten Tonhöhen können beim Spielen nicht verändert werden - es sind keine gleitenden Tonbewegungen möglich. Dank der raffinierten rhythmischen Möglichkeiten und verfeinerter neuer Spieltechniken hat die Santur aber in den letzten Jahrzehnten trotzdem einen Platz unter den klassischen Melodie-Soloinstrumenten gewonnen.

Sarangi - Gesang der Seele
Der näselnd singende Klang des gestrichenen Saiteninstruments Sarangi ist eines der faszinierendsten Phänomene in der indischen Musik. Sie hat mehr Resonanzsaiten als jedes andere indische Instrument und dadurch einen unerreichten Nachhall - zumal sich die Schwingung der Melodiesaiten durch die dünne Ziegenhaut auf dem Holzkorpus direkt zu den Resonanzsaiten überträgt. Die Melodie spielt man auf drei dicken Darmsaiten. Die Tonhöhen verändert man, indem man diese Saiten ohne Griffbrett oder Bünde seitlich mit dem Nagelbett abdrückt. Diese einzigartige Spieltechnik und die sehr kurzen Wege von Ton zu Ton sorgen für eine unschlagbare Flexibilität in der Artikulation. Dadurch ist die Sarangi so gut wie kein anderes Instrument in der Lage, alle Feinheiten der menschlichen Stimme zu imitieren. Traditionell wurde sie deshalb meist zur Gesangsbegleitung eingesetzt. Aber inzwischen ist sie auch als Soloinstrument zu hören. Wegen der extrem anspruchsvollen Handhabung spielen heute allerdings leider immer weniger Musiker Sarangi.

Harmonium - Europa in Indien
Das Harmonium hat die Sarangi in der Gesangsbegleitung weitgehend verdrängt - ein ungemein praktisches, einfach zu spielendes Instrument. Erfunden wurde es im 19. Jahrhundert in Europa und dann nach Indien importiert und modifiziert. Im Westen ist es inzwischen praktisch ausgestorben, aber in Indien ist es heute für alle klassischen und semi-klassischen Gesangsstile ebenso das universale Begleitinstrument wie für spirituelle Lieder verschiedenster Traditionen - von Bhajan-, Kirtan- und Mantragesängen bis zu Qawwali und Shabad. Das Harmonium muss nicht gestimmt werden, man braucht keine Übung, um überhaupt einen Ton zu erzeugen und man kann eine Gesangsstimme gut damit unterstützen, ohne ihr dabei in die Quere zu kommen. Man pumpt einfach mit einer Hand den an der Rückseite angebrachten Blasebalg und drückt mit der anderen den gewünschten Ton auf der Tastatur - ideal für jedermann. Als klassisches Soloinstrument wird es bisher aber nicht verwendet.

Tabla - Universum der Rhythmen
Schneller als die Augen folgen können tanzen die Finger über die Tablas und entfachen einen rhythmischen Wirbelsturm, den man einem einzelnen Musiker nie zugetraut hätte. Wer je einen guten Tablaspieler live erlebt hat, dürfte das Erlebnis nie vergessen. Die Tabla ist eines der komplexesten Rhythmusinstrumente der Welt und bietet eine so große Fülle von Spielmöglichkeiten wie sonst eine ganze Percussion-Gruppe. Sie besteht aus zwei Handpauken, die immer als Paar zusammen eingesetzt werden. Die kleinere ist aus schwerem Holz und kann sowohl mehrere genau stimmbare glockenklare Töne erzeugen als auch geräuschhafte Slaps und Taps. Die größere bauchige Pauke, meist aus verchromtem Kupfer, sorgt für die Bässe. Durch Druck und Bewegung der auf dem Fell liegenden Spielhand kann die Tonhöhe mit unglaublicher Flexibilität verändert werden, so dass das Instrument regelrecht zu sprechen scheint. Entscheidend für den Klang ist eine schwarze Paste aus gekochter Reismasse und Eisenspänen, die in einem komplizierten Arbeitsprozess auf die Felle aus Ziegenhaut aufgetragen wird. Tablasounds gibt es heute auch als digitale Samples, die mittlerweile in den verschiedensten Musikstilen eingesetzt werden.

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